Die Kampfmittel des AS

Hier drei Texte, die versuchen zu beschreiben was unter den 3 großen „Waffen des Syndikalismus“ der Direkten Aktion, des Sozialen Generalstreiks und der Sabotage v.a. in Abgrenzung des sonst üblichen Gebrauchs dieser Begriffe verstanden werden kann.

 

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Direkte Aktion – Zum Verständnis eines Konzeptes

Harald Beyer-Arnesen, Anarcho-Syndicalist Review, 2000
Die „Direkten Aktion“ ist wahrscheinlich das zentrale Element des Anarcho-Syndikalismus.
Vielen wird dieser Begriff nichts sagen. Wir hoffen, dass dieser Text geeignet ist, ihn so manchen näher zu bringen.
Seit den ersten großen Demonstrationen rund um die Gipfeltreffen der Staatschefs der 7 oder 8 großen Industrienationen (G7 bzw. G8), oder diverser EU-Gipfel…, spätestens aber seit dem Treffen der Welthandelsorganisation (WTO) im Jahre 1999 in Seattle wird der Begriff der „direkten Aktion“ immer wieder im Zusammenhang mit gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Staatsgewalt oder Protestformen, bei denen Gegenstände, wie z.B. die Auslagenscheiben von McDonalds- Filialen beschädigt werden , gleichgesetzt.
Also Zeit mit gewissen Missverständnissen aufzuräumen.
Der Autor setzt sich damit auseinander, ob es sich bei den Aktionen gegen das WTO-Treffen tatsächlich um Formen direkter Aktion handelte. Dieses Ereignis erscheint manchen vielleicht nicht so wichtig, die entsprechenden Passagen in diesem Text wurden aber dennoch beibehalten, weil davon ausgegangen werden kann, dass sich ähnliche Aktionen in den nächsten Jahren häufen werden; die Auseinandersetzung darum also nichts an Bedeutung verlieren wird.
Da der Beitrag wichtige Argumentationen dafür liefert, dass es die Kampfform der direkten Aktion nicht losgelöst von Organisierung und Klassenbezug (wir meinen sie: die Klasse der Lohnabhängigen- auch ArbeiterInnenklasse genannt) geben kann, sollten diese Passagen also nicht einfach überlesen werden.
Unabhängig vom konkreten Anlass, stellt der Autor sehr ausführlich das Konzept der direkten Aktion vor, gibt Beispiele, versucht einzugrenzen und setzt die direkte Aktion in Bezug zu anderen Elementen des Anarchosyndikalismus und Anarchismus wie z.B. Solidarität, Organisierung, Propaganda durch die Tat.

Direkte Aktion
Die Direkte Aktion, zu ihrem endgültigen und logischen Ende gedacht, ist die libertäre soziale Revolution: die Übernahme, Neuorganisation, Transformation und Zerstörung (dort wo sie nicht den menschlichen Zielen dient) der Produktionsmittel (die die materiellen Werkzeugen der Freiheit sind) durch die Arbeiterklasse und die Entwaffnung der Kräfte, die die alte Ordnung beschützten. Wenn wir von einer wahrhaft sozialen Revolution sprechen, kann diese nichts anderes bedeuten, als die kollektive, direkte Aktion der Arbeiterklasse, die in diesem Prozess sich selbst als Klasse aufhebt und damit auch den Staat und die Klassengesellschaft und uns alle auf diese Weise zu BewohnerInnen einer von uns selbst geschaffenen Welt macht.
Es gibt viele, die in diesen Tagen von direkter Aktion sprechen, doch die Zahl derer, die versucht ihre Bedeutung zu ergründen und sich die Frage stellt, um welch eine Art von Werkzeug es sich bei ihr handelt, ist geringer. Diese Frage hat nichts mit Wortklauberei zu tun, es geht bei ihr um etwas Grundsätzliches. Sie berührt den Kern des gesamten anarchistischen, sozialrevolutionären Projekts, in dem die „Emanzipation der arbeitenden Klassen von den arbeitenden Klassen selbst durchgesetzt werden muß“ und in dem die Mittel von den Zielen bestimmt und in ihnen enthalten sein müssen.
Aus dieser Sicht heraus können wir direkte Aktion als eine Aktionsform definieren, die von niemandem als uns selbst durchgeführt wird und in der die Mittel immer auch die Ziele sind. Oder in der zumindest – wie z.B. in einem Lohnstreik ohne Vermittlung irgendeiner Gewerkschaftsbürokratie – die Mittel (die Verminderung des Profites durch unsere Nicht-Arbeit und dadurch auch die Reduzierung der Macht des Bosses) in einem direkten Zusammenhang zu unseren selbstdefinierten Zielen stehen (die Erhöhung unserer Löhne und damit die Ausdehnung unserer eigenen Macht). Eine erfolgreich durchgeführte direkt Aktion hat stets eine Neuzusammensetzung der bestehenden Lebensbedingungen durch den gemeinsamen Kampf der direkt Betroffenen zur Folge.
Niemand muß mit dieser Definition bis in Letzte übereinstimmen, aber ich finde sie logisch. Die direkte Aktion ist darüber hinaus ein sehr mächtiges Instrument im Prozess der Entwicklung einer Praxis, in der die zukünftige Gesellschaft in der Eierschale der alten geboren wird. Unter allen Umständen aber muss für uns als Anarchisten und Sozialrevolutionäre die direkte Aktion ein Bestandteil unseres Projektes von menschlicher Emanzipation sein. Direkte Aktion ist allerdings nicht wie schwanger sein, also etwas das man entweder ist oder nicht. Elemente von direkter Aktion können manchmal auch in solchen Aktionen enthalten sein, die nicht alle Bedingungen erfüllen. Ein Teil unserer Aufgabe besteht im Versuch, diese Elemente so dominant wie möglich zu machen, wann immer das geht. Dafür benötigen wir eine brauchbare Definition, etwas das wir anstreben können und an dem wir unsere Aktionen messen können, um auf diese Weise auch ein größeres Bewußtsein von den Quellen unserer Stärken und Beschränkungen zu entwickeln.
Wir werden nicht immer die Stärke haben um unsere Ziele durch direkte Aktion erreichen zu können. Mehr als jede andere Aktionsform verlangt die direkte Aktion nach einer kollektiven, organisierten Kraft. Das wird sich am deutlichsten in der direkten Wiederaneignung der Instrumente für Produktion und Freiheit durch die Arbeiterklasse zeigen. Wir können gemeinsam alles erreichen. Diese Gemeinsamkeit aber herzustellen, das ist die schwierige Aufgabe und wie bei einem unbenutzten Muskel wird die Kraft kollektiver Aktionen durch Passivität geschwächt.
Auf der lokalen Ebene, wo immer noch die meisten unserer Aktionen stattfinden, wird, ebenso auf internationaler Ebene durch die koordinierten Aktionen innerhalb eines kleinen Sektors der Arbeiterklasse, unsere Möglichkeit zur Durchführung direkter Aktionen dadurch beschränkt sein, dass sie noch kein verallgemeinertes Mittel ist. Wir werden sie manchmal anwenden können, aber nicht immer, wenn wir nicht durch die Mächte gegen die wir aufgestanden sind zerschmettert werden wollen. Wenn du rausgeschmissen wirst, kann ein Sitzstreik deinen Job retten. Wenn du aber der einzige bist, der sich hinsetzt, kann es u.U. eine gute Idee sein, zu einem Anwalt oder irgendeinem Gewerkschaftsbürokraten zu gehen.
An diesem Punkt stellt sich übrigens die Frage, wie das Konzept der direkten Aktion mit einem anderen alten Wort im Vokabular der Kämpfe der Arbeiterklasse zusammenhängt, nämlich praktischer Solidarität. Solidarität bedeutet nicht Mildtätigkeit und kann nicht auf Selbstlosigkeit reduziert werden. Sie ist vielmehr etwas, das aus einem Verständnis von gemeinsamen Interessen entspringt. Dem alten IWW- Slogan „ein Angriff gegen Eine ist ein Angriff gegen Alle“ liegt mehr als nur eine moralische Ökonomie zugrunde. Der Satz beschreibt auch eine Tatsache des sozialen Lebens.
Direkte Aktion wurde als Aktion ohne Vermittler definiert. Diese Definition benötigt Erklärung. Aus einer anarchistischen Sichtweise heraus hat direkte Aktion nicht nur etwas mit Solidarität zu tun, sondern auch mit etwas, was die Voraussetzung für Solidarität und das ihr zugrundeliegende Prinzip von direkter Demokratie ist: Nichthierarchische menschliche Kommunikation. Eine solche Kommunikation bildet die Grundlage für das, was direkte Aktion immer ist: individuelle und kollektive Stärkung der eigenen Kraft. Da die direkte Aktion immer ihr Ziel beinhaltet, finden sich in diesem selbstdefinierten Ziel auch immer die Mittel. Je deutlicher die Ziele in den Mitteln sichtbar werden, desto direkter ist die Aktion.

Prostestieren gegen die modernen Päpste und Zaren
Wenn du kein Wasser hast, kann es sein, dass du einen Brunnen graben mußt und dieses Brunnengraben ist eine direkte Aktion. Es kann sein, dass du dazu die Hilfe von anderen brauchst, denen es vermutlich genauso geht, was aus der Sache eine kollektive Aktion macht. Aber innerhalb einer Klassengesellschaft liegen die Dinge meistens nicht ganz so einfach. Es kann sein, dass das Land einem auswärts lebenden Landbesitzer gehört und vermutlich wird ein Zwangsapparat zur Durchsetzung von dessen Besitzrechten existieren. Einfach hinzugehen und einen Brunnen zu graben wäre demnach illegal. Allerdings ist Illegalität nicht zwangsläufiger Bestandteil einer direkten Aktion. Kollektive Selbstschulung zum Beispiel ist eine Form von direkter Aktion, die oft, wenn nicht sogar immer absolut legal ist.
Wir könnten uns vorstellen, dass wir, statt einen Brunnen ohne Genehmigung zu graben, einen Sitzstreik außerhalb des Wohnsitzes des Landbesitzers, des Königspalastes oder des Parlaments organisieren. Vielleicht hätten wir die Presse eingeladen und angekündigt, dass wir sitzenbleiben, bis der abwesende Landbesitzer, eine gesetzgebende Körperschaft oder sonstjemand mit Autorität uns das Recht zugesteht, den Brunnen zu bauen – oder bis wir weggetragen oder sonstwie vertrieben werden.
Das wäre sicherlich ziviler Ungehorsam, ein Rechtsbruch, aber wäre es auch eine direkte Aktion? Kaum. Wir hätten versucht Druck auf eine Autorität auszüben, damit sie ein Entscheidung fällt oder eine andere zurücknimmt. Damit hätten wir ihr uns ihrer Macht oder ihrer Autorität unterworfen eine solche Entscheidung fällen zu dürfen. Anstelle unser Ziel nur von unseren eigenen Bemühungen und Werkzeugen (die in diesem Fall Spaten und Schaufeln gewesen wären) abhängig zu machen, hätten wir die Regeln einer anderen Autorität zwischen unsere Ziele und Mittel gestellt.
Die Werkzeuge ja, die Instrumente von Produktion und Zerstörung, ebenso unsere eigene Kreativität: Verkaufte Stunden unseres Lebens, verwandelt in Instrumente unserer eigenen Ausbeutung. Wir sind diejenigen, die diese Werkzeuge anwenden, aber nicht für unsere eigenen Pläne, Notwendigkeiten und Wünsche. Selten verwenden wir sie als Mittel von direkter Aktion. Die lohnarbeitende Köchin kocht nicht für die Armen als Teil eines kollektiven Projekts in der Zeit, in der sie sich an eine fremde Macht verkauft hat. Stattdessen gibt sie in ihrer unentlohnten Zeit einem Stimmzettel ab, unterzeichnet eine Petition, nimmt an einer Demonstration teil, schmeißt eine Fensterscheibe ein oder bläst ein Gebäude in die Luft. Nichts davon erzeugt etwas unmittelbar Verzehrbares.
Einige versuchen jede außerparlamentarische Aktion als direkte Aktion zu definieren, z.B. jede Demonstration auf der Straße. Aber eine Stellungnahme dazu abzugeben, dass wir irgend etwas wollen oder nicht wollen, wird keinen Berg bewegen. Wenn das alleinige Aussprechen der Worte „Stoppt die Bomben“ dazu führen würde, Bomben mitten in der Luft anzuhalten, wäre die Welt ein besserer Ort. Es ist übrigens auch nicht eben wahrscheinlicher, dass zersplitternde Fensterscheiben einen solchen Effekt hätten.
Der Umstand, dass symbolische Aktionen und Aktionen, die ihre Effizienz aus der schieren Macht gegen die wir kämpfen beziehen, mehr und mehr als direkte Aktionen bezeichnet werden, spiegelt unsere gegenwärtige organisatorische Impotenz, unsere soziale Zersplitterung und einen allgemeinen Mangel an Vertrauen in unsere kollektive Kraft als entlohnte und nichtentlohnte ArbeiterInnen wieder. In bestimmten Situationen können symbolische Aktionen machtvoll sein. Aber sie sollten als das betrachtet werden, was sie bestenfalls sind: Kommunikationsmittel. Ihr vielleicht darüber hinaus gehender Grad an Effizienz liegt im Wesentlichen an der Angst der Besitzer der Welt, dass sie vielleicht von direkteren Aktionsformen gefolgt werden könnten. In der augenblicklichen Situation von Unorganisiertheit oder organisierter Passivität, sind sie symbolische Aktionen oft alles, das wir haben. Aber das darf uns nicht dazu verleiten zu glauben, das sie alles sind, das wir haben können.
Oft, wie jüngst beim Treffen der Welthandelsorganisation (WTO) in Seattle, können wir erleben, dass Proteste, die in aufsehenerregender und manchmal gewalttätiger und zerstörerischer Weise durchgeführt werden, um die Aufmerksamkeit der Massenmedien auf sich zu ziehen, als direkte Aktion bezeichnet werden. Obwohl das oft geleugnet wird, liegt die ganze Logik solcher Aktionen darin, auf die Mächtigen, vermittelt durch den Einfluss einer vermeintlichen „öffentlichen Meinung“, Druck auszuüben. Und in den Zeiten des World-Wide-Web kann sogar eine Demonstration von einigen Dutzend Leuten als ein weltweit bedeutendes Ereignis erscheinen, solange nur die Gerüchte darum breit genug verbreitet werden. Und das obwohl du nur einige Blocks davon entfernt wohnen kannst, ohne von dem Ganzen überhaupt irgendetwas mitbekommen zu haben. Es wäre also vielleicht besser, anstelle von direkter Aktion den Begriff virtuelle oder medienvermittelte Aktion zu verwenden.
Ironischerweise tendieren übrigens sowohl große Proteste, wie die in Seattle, als auch kleinere dazu, von einer Kritik an den Massenmedien gefolgt zu werden, bei der man diesen vorwirft, die Fakten verdreht zu haben, indem sie nur über die aufsehenerregensten Aspekte berichtet haben.
Natürlich kann man, und dies nicht ganz zu Unrecht sagen, dass die Zerstörung von Eigentum in Seattle einen symbolischen Wert hatte, den sie aus dem speziellen Zusammenhang innerhalb dessen sie funktionierte bezogen hat. Ich argumentiere nicht gegen diese Aktionen, obwohl dieser Wert schnell dadurch entwertet würde, wenn das gleiche Vorgehen immer wieder wiederholt würde. Nichtsdestoweniger, wenn man vom symbolischen Wert absieht, hatten diese Aktionen keinen direkte Beziehung zu dem, was sie erreichenwollten. Die Blockade des Treffens oder die Zerstörung von Eigentum waren keine Mittel um eine unmittelbare Änderung der Handelsbedingungen, der Ausbeutung und der Unterdrückung zu bewirken. Sie haben niemanden satt gemacht, haben die Verschmutzung unserer Umwelt nicht verringert oder in sonst einer Weise das Leben der ArbeiterInnen bereichert.
Ausbeutung und Unterdrückung funktionieren immer auf eine konkrete Art und Weise. Die Realitäten dessen aber, wogegen man protestiert und die konkreten Punkte möglicher Änderungen sind den Protestierenden entglitten. Angesichts der Machtlosigkeit unmittelbare Änderungen durchzusetzen, wurde an den Papst und den Zaren appelliert (einige würden sagen, in weniger freundlicher Weise) ihre Kommandogewalt dazu zu benutzen, solche Änderungen vorzunehmen. Anstelle hinzugehen und die Brunnen zu graben, um das Wasser zu finden, wurde von den Hohen und Mächtigen verlangt, uns dazu aufzufordern dieses zu tun.
Und anstelle die herrschende Ordnung davon abzuhalten das Wasser zu verschmutzen, hat man von ihnen gefordert, Gesetze zu erlassen, die das verbieten oder sie aufgefordert keine zu erlassen, die Verschmutzung erlauben. Man appellierte an die Macht ihrer Gesetze und bat um bessere, man bat um einen Papst ohne Gott und einen Zar ohne Land, um einen Kapitalismus, in dem Geld keine Macht beinhaltet. Viele werden das für ein Missverständnis halten: „Wir haben eine Auflösung der WTO gefordert“, werden sie sagen. Aber das, selbst wenn es realistisch gewesen wäre – was es nicht wahr – hätte bestenfalls einen noch nicht ausdefinierten Satz von internationalen Gesetzen und Machtbeziehungen ersetzt durch die vorhandenen oder in Planung befindlichen. Es war eine völlig abstrakte Forderung.
Wenn es ausschließlich darum gegangen wäre, die Zusammenkunft der Delegierten der Welthandelsorganisation zeitweilig zu verhindern, dann hätten die Protestierenden Mittel eingesetzt (ihre Körper), die in Übereinstimmung mit ihren Zielen gestanden hätten. Aber war das wirklich das Ziel? Hoffentlich und wahrscheinlicher, haben sie das eher als Mittel betrachtet.
In der Zeit vor dem Telegrafen und dem Telefon, von moderneren Kommunikations- formen ganz zu schweigen, hätten solche Mittel vielleicht einen unmittelbareren Effekt gehabt und eine wesentlich direktere Verbindung zu den Zielen. Aber heute haben solche Treffen der Hohen und Mächtigen im Wesentlichen eine symbolische Bedeutung. Die Entscheidungsfindung und Koordinierung findet anderswo statt und nicht an einem bestimmbaren Ort zu einer bestimmbaren Zeit.
Ich gehe davon aus, dass die Protestierenden vorhatten, bestimmten zerstörerischen Praktiken im Zusammenhang mit der WTO ein Ende zu bereiten, ebenso wie andere, noch zerstörerische aufzuhalten und nicht nur zur reinen Behinderung des Zusammenkommens einiger Leute an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit. Wenn Ausbeutung, Unterdrückung und Zerstörung nur in den Köpfen und in den Stellungnahmen der Mächtigen existieren würden, bräuchten wir dem nicht allzuviel Aufmerksamkeit zu schenken. Die hohen Damen und Herren wären dann auch nicht besonders mächtig.
Wenn aus jeder Gemeinde, die von der Politik der WTO (oder genauer vom globalen Kapitalismus) betroffen ist, eine Person unter den Protestierenden von Seattle gewesen wäre, wären sie am falschen Ort gewesen, um Veränderun gen durch direkte Aktionen zu erreichen. Der konkrete und tägliche Ausdruck der WTO-Politik findet in den Gemeinden statt, die sich hinter sich gelassen hätten. Dort wäre der Platz für eine direkte Konfrontation mit dieser Politik gewesen. Auf der anderen Seite hätte eine solche globale Versammlung als eine Gelegenheit dazu dienen können, Aktionen überall auf der Welt zu koordinieren und weniger dazu, sich Gedanken darum zu machen, was hinter den Mauern des Kongressgebäudes vor sich geht, in dem die WTODelegierten versammelt sind.
So wie die Dinge liegen, waren allerdings nicht Menschen aus allen Gemeinden diesen Planeten in Seattle versammelt. Mehr noch, diejenigen, die dort zusammen gekommen sind, waren exakt aus dem Grund dort (so sehr sie vielleicht auch an die Option der direkten Aktion gedacht haben mögen), dass sie (oder besser wir) unfähig sind, die Organisation auf die Beine zu stellen, die nötig wäre, um zuhause durch direkte Aktionen die WTO anzugreifen.

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Eine Neubewertung von Propaganda durch die Tat und Solidarität
Ein kritischer Dialog über die Suche nach Aktionsformen, die das Netzwerk von WTO, Internationalem Währungsfond (IWF) und Weltbank ganz, oder im Moment realistischer, teilweise aushebeln könnten, ist kaum jemals angestrebt worden, trotz aller – oder vielleicht sogar wegen aller Behauptungen, man bediene sich Praktiken der direkten Aktion.
In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass die Hafenarbeiter der Westküste einen politischen Streik gegen die WTO durchgeführt haben. So positiv das auch als Zeichen der kommenden Zeiten sein mag, ging es doch nicht über eine symbolische Aktion hinaus. Die Hafenarbeiter (Docker und Schauerleute) und die Transportarbeiter im Allgemeinen, sind diejenigen Lohnarbeiter mit der offensichtlich größten Fähigkeit, direkt und materiell in die Strukturen des Welthandels einzugreifen. Deswegen auch all die Versuche der letzten Jahre ihre Kraft zu zerstören. Aber diese Arbeiter würden unter keinen Umständen in der Lage sein eine solche Macht über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten , wenn ihre „Propaganda durch die Tat“ nicht direkte Aktionen durch die entlohnten und unentlohnten Arbeiter weltweit oder zumindest maßgeblicher Teile von ihnen zur Folge hätte.
Der Begriff „Propaganda durch die Tat“ erzeugt starke Assoziationen von Bomben, individuellen Verzweiflungstaten oder sozialer Ohnmacht. Aber er muß sich nicht auf so etwas beziehen. Wenn wir mit weltweiten Aufgaben konfrontiert sind, könnte man lokale direkte Aktionen mit dem Ziel kleinere Veränderungen im Hier und Jetzt zu erzielen, oder internationale, die von einem kleinen Sektor der Arbeiterklasse durchgeführt werden, für nicht mehr als einen Tropfen auf den heißen Stein halten. Wenn sie aber erfolgreich sind, verbreiten direkte Aktionen eine Nachricht, die über ihre unmittelbaren Ziele hinausgeht und die die eigentliche Saat einer libertären sozialen Revolution mit sich trägt. Akte von unmittelbarer kollektiver Stärkung der eigenen Kraft neigen dazu beispielhaft zu wirken. Sie zeigen Wege auf, die abseits von bürokratischen Vermittlern und parlamentarischer Vertretung gegangen werden können. Direkte Aktion ist immer „Propaganda durch die Tat“.
Das alles bringt uns zurück zur Frage der Solidarität und nach deren Verhältnis zur direkten Aktion. Diese wurde ja als Aktion definiert, die von niemandem anderen durchgeführt werden kann. Wer sind die direkt Betroffenen und an welchem Punkt hört eine Aktion auf, eine direkte zu sein, weil sie nicht von den direkt Betroffenen durchgeführt wird? Was uns hier interessiert sind natürlich die politischen Auswirkungen der Antwort auf diese Frage.
Die Befürworter der Ideologie der repräsentativen Demokratie, Sozialdemokraten und Leninisten, nehmen alle für sich in Anspruch stellvertretend für „die Leute“, im Interesse „der Leute“ zu handeln. AnarchistInnen haben nicht nur immer abgelehnt, dass die Repräsentanten dieser Ideologien so etwas tun, sondern selbst die dahinter liegende Einstellung, dass sie so etwas auch nur tun könnten. Oder noch weitergehend, selbst wenn sie es könnten, würden wir für uns in Anspruch, dass dies nicht in unserem Interesse wäre, weil der Umstand, dass wir über uns selbst bestimmen nicht mehr und nicht weniger ist, als die Grundlage für unsere Existenz als menschliche Wesen. Was im Übrigen nicht bedeutet, sich dem Einfluß und der Kritik anderer zu entziehen, denn ohne sie wären wir nichts.
Auf der anderen Seite halten wir unsere Prinzipien der gegenseitigen Hilfe und der Solidarität hoch; dass ein Angriff gegen eine ein Angriff gegen uns alle ist und deshalb auch die Sache aller. Wir können über die absurdesten Interpretationen von Nichtvertretung hinweggehen, wie z.B. „Wenn wir eine Person ertrinken sehen, ist das nicht unsere Sorge“. Ob die Rettung oder Nicht-Rettung eines Ertrinkenden als direkte Aktion definiert werden sollte, ist keine Frage von Interesse. Hier geht es nicht um philosophische Rätsel sondern um die Grundlagen der menschlichen Emanzipation.
An dieser Stelle führt die Antwort auf unsere Frage zu einer anderen. Wer hat die Definitionsmacht? Ich definiere die geringen Löhne und schlechten Arbeitsbedingungen in der Firma X, egal wo diese sich auf der Welt befindet, als meine Besorgnis. Nicht nur aus moralischen Erwägungen, sondern – in Anlehnung an Bakunin – weil in den Händen der Besitzer der Welt, die Ausbeutung und Unterdrückung der anderen zu einem Instrument meiner eigenen Unterordnung wird. Wenn man diese Erwägungen zu ihrem logischen Ende denkt, bringt uns das ganz schnell zurück zur Stellvertretung und zu aufgeklärtem Despotismus. Die Definitionsmacht muß bei den Arbeitern der Firma X liegen. Allerdings würde mich die Teilnahme an einer direkten Aktion auf ihre Initiative hin, oder durch eine gemeinsame Initiative und Zusammenarbeit zum Teil dieser direkten Aktion machen, wenn meine Handlungen sich an die Regeln halten, zum Beispiel durch eine Blockade während eines Streiks. Wir haben unser gemeinsames Interesse verwirklicht.
Es gäbe noch eine ganze Menge, das zu diesem Punkt gesagt werden könnte. Wesentlicher ist aber seine besondere Bedeutung zu verstehen, damit eine vorgeblich direkte Aktion uns nicht auf einen Weg bringt, der uns zu Elitedenken führt und damit weg vom anarchistischen Projekt der individuellen und sozialen Emanzipation.
Wieder einmal sind wir zu der Regel gelangt, dass, je größer die Aufgabe ist, desto kollektiver die Aktion sein muß. Wir sollten nie den Blick darauf verlieren, dass das Konzept der direkten Aktion aus Menschen herrührt, die etwas mit ihrer eigenen Situation tun. Dies ist der Grund, warum es eine so zentrale Stellung innerhalb der Tradition des Anarchismus und des revolutionärem Syndikalismus einnimmt. Die direkte Aktion ist ein Ausdruck der eigenen Macht über unser Leben, unser „Empowerment“. Direkte Aktionen sind einfach schon deshalb vorrangig, wenn nicht sogar ausschließlich, verknüpft mit Formen kollektiver Aktion, weil wir als ArbeiterInnen nur zusammen die Stärke haben, direkt und oft unmittelbar, unsere Lebensbedingungen zu verändern. Je weniger Beteiligte, desto symbolischer werden unsere Aktionen, könnte eine weitere Regel lauten. Sie neigen dann dazu, nicht Mittel zur sofortigen Umgestaltung von Teilen unserer Realität durch unsere eigenen Bemühungen zu sein, sondern in erster Linie der Ruf nach der Macht von anderen.
Während viele dem Trugschluß erliegen, dass wir durch direkte Aktionen der Notwendigkeit zur Organisierung entfliehen könnten, ist genau das Gegenteil der Fall. Direkte Aktionen verlangen generell ein höheres Maß an Koordination. Der Grad unserer eigenen Desorganisation ist der Grad, in dem unser Leben durch andere organisiert wird. Wir sind es, die die Welt schaffen, aber wir machen das als Kollektiv (momentan unter dem Kommando und der Vermittlung der Besitzer der Welt) und deshalb sind es auch wir, die zusammen direkte, grundlegende Änderungen ohne die Vermittlung von außerhalb stehenden Kräfte durchführen können und, in letzter Instanz, die Welt und die Macht über unsere eigenen Schicksale (zurück)erobern können.
Direkte Aktion kann als eine Art von Sprache gesehen werden. Eine Sprache der praktischen Artikulation. Als solche verfügt sie auch über eine symbolische Kraft, die weit über jede rein symbolische Aktion hinausgeht, besonders deshalb, weil die Nachricht in den Mitteln enthalten und nicht von ihnen getrennt ist. Viel von den Gründen unserer derzeitigen Unfähigkeit uns in direkten Aktionen auszudrücken, liegt in der immer mehr zunehmenden Arbeitsteilung innerhalb des modernen Kapitalismus. Nicht so sehr in der Teilung selbst als in dem Mangel, diese in unseren Köpfen und durch Organisierung und Aktion zu überbrücken.
Wir müssen wieder unsere Mittel mit unseren Zielen verbinden. Zurückkehren zu den Lohnstreiks, die bedeuteten und das oftmals immer noch tun, die Bosse durch Streiks dort zu treffen, wo es ihnen am meisten wehtut, bei ihren Bankkonten, indem wir unsere Fähigkeit zur Arbeit verweigern. Warum aber haben die Arbeiter der sich in „öffentlichem Besitz“ befindlichen Straßenbahnen von Melbourne vor zehn Jahren gestreikt, indem sie – die Werkzeuge, die ihnen nicht gehören – zum Nulltarif fahren ließen, während die Bosse zurückgeschlagen haben, indem sie die Bahnen gewaltsam stillgelegt haben? Der Grund ist offensichtlich. Wie es so oft beim öffentlichen Dienst der Fall ist; die Arbeitsverweigerung der Straßenbahnfahrer hätte die Stadtverwaltung keinen Cent gekostet. Es hätte ihr sogar die Ausgaben für die Löhne der Arbeiter gespart. Kostenloser öffentlicher Nahverkehr hingegen, kostete sie etwas.
Was aber noch wichtiger ist. Dies war ein Ausdruck von Arbeitern , die die Werkzeuge, welche ihnen nicht gehören, verwandelt haben sowohl in Mittel für ihre eigenen Ziele, als auch für die Arbeiterklassen-Community in ihrer Gesamtheit. Was ware geschehen, wenn alle entlohnten und nichtentlohnten Arbeiter von Melbourne sich nichthierarchisch organisiert hätten, um das Selbe zu tun, und sei es nur für einen Tag oder eine Woche?
Das wäre ein wirklich machtvolles Symbol unserer Stärke durch direkte Aktion gewesen. Die Realität ist immer noch konkret. Das sollten wir nicht vergessen. Auch im Kampf gegen die Politiken der Welthandelsorganisation, des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank sollten wir nach Möglichkeiten suchen, auf lokaler und globaler Ebene die Werkzeuge, die uns nicht gehören für unsere selbst definierten Notwendigkeiten anzuhalten oder ins Spiel zu bringen.

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1 10 2007
anarchosyndikalismuswien

Der Soziale Generalstreik

Die Diskussion über den sozialen Generalstreik ist uralt und besonders in unseren breiten eine vornehmlich theoretische. Das liegt zum einen daran, dass Generalstreik in Österreich offenbar ein verbotenes Wort ist und gerade der ÖGB, die bislang größte und in den meisten Bereichen einzige gewerkschaftliche Organisation lieber eingehen würde als einen solchen zu organisieren. Dass wir selbst noch weit davon entfernt sind auf derartige Ereignisse entscheidend einzuwirken hindert uns – uneinsichtig wie wir sind- nicht daran davon zu sprechen, wie die kapitalistische Gesellschaftsordnung unserer Meinung nach am ehesten erschüttert und überwunden werden kann. Beginnen wollen wir diese Reihe mit den aus der historischen anarchosyndikalistischen Bewegung bekannten Standpunkten.

Auch dort, wo der Parlamentarismus als Heilige Kuh zur Erreichung sozialer Gerechtigkeit angesehen wird, steht die Idee des Generalstreiks von Zeit zu Zeit (wenn kein anderes Mittel mehr taugt) auf der Tagesordnung, wenn auch sonst die sozialdemokratische Parole „Generalstreik ist Generalblödsinn“ gilt.
Oft wird der Begriff Generalstreik aber gerne für den politischen Massenstreik gebraucht (Italien, Frankreich), wo es beispielweise gilt eine rechtskonservative Regierung zu erschüttern, jedoch sicher keinen revolutionären Umsturz herbeizuführen.
Unter Generalstreik kann also verstanden werden:
– Alle Angehörigen einer Branche streiken für höhere Löhne z.B.
– Alle Werktätigen einer Stadt streiken
– Alle Werktätigen eines Landes streiken, z.B. für politische Rechte.

Wir meinen aber jene Form des Generalstreiks, die sich von Streiks für Lohnforderungen oder politische Ziele durch nichts Geringeres unterscheidet, als dass er nicht nur unbefristet und ohne zentrales Kommando von statten geht, sondern gerade auch, als dass er die Einleitung der sozialen Revolution darstellt: Wir nennen es deshalb „Sozialen Generalstreik“.

Ein Hauptargument gegen den Sozialen Generalstreik ist, dass es niemals möglich sei, die Gesamtheit des Proletariats so zu organisieren, und so „klassenbewußt zu machen“, als dass es eben diesen durchführen würde. Und falls dies doch der Fall sei, könne man ja gleich nach den politischen Macht greifen.
Nun abgesehen davon, dass letzteres eine bewusste oder unbewusste Verkehrung der Tatsachen ist: Vielmehr wäre jegliche politische Aktion, jeglicher Versuch die politische Macht zu übernehmen nicht nur sinnlos, sondern, wie die Geschichte lehrt, tödlich für die sozialrevolutionäre Initiative der ArbeiterInnenklasse, wenn sich einmal die Überzeugung für einen sozialen Generalstreik durchgesetzt hat.
Die Durchführung eines Generalstreiks ist durchaus nicht davon abhängig, ob die gesamte ArbeiterInnenklasse von dessen Nutzen überzeugt ist.
Wie bei jedem anderen Streik auch, ist es oft nur ein Teil der Gesamtheit, der den Anfang setzt. So sind nicht wenige Massenstreiks binnen weniger Tage von einigen Hundert auf Hunderttausend angeschwollen.
Die Idee des Generalstreiks beruht nicht unbedingt, auch wenn dies nicht von Nachteil wäre, darauf, dass alle zugleich die Arbeit niederlegen, sondern vorerst die Lahmlegung der Produktion, Kommunikation und Konsumtion der herrschenden Klasse, also die Desorganisation der gesamten kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Dieser Zusammenbruch ist zugleich der Beginn des selbstorganisierten Proletariats, auch jener seiner Teile, die vom regulären Erwerbsleben ausgeschlossen waren (Arbeitslose, Reproduktive Arbeiterinnen…), sämtliche Produktions- und Kommunikationsmittel in Selbstverwaltung zu übernehmen und den Konsum auf kommunistische Weise zu organisieren.
Kommunistisch heißt in Wahrheit: „Jede/r nach Ihren/seinen Bedürfnissen, jede/r nach ihren/seinen Fähigkeiten“, oder wie Kropotkin es ausdrückte: „Wohlstand für alle“!

Die Entwicklung des Generalstreiks
Auch wenn der Erfolg eines Generalstreiks nicht unbedingt mit der Teilnahme der Gesamtheit der ArbeiterInnen zusammenhängt, so doch mit der Frage, wie massiv und tiefgehend sich die Überzeugung über die Notwendigkeit und Nützlichkeit eines solchen durchgesetzt hat. Hier ist die aktive Verbreitung der Idee unabdingbar, wie wohl eine ungeheure, spontane Dynamik einsetzt, sobald der soziale Generalstreik einmal ausgebrochen ist.
Gerade die modernen Produktions-, Transport-, Energieversorgungs- und Kommunikationsketten sind durch ihre zur Perfektion getriebene Arbeitsteilung sehr anfällig durch einen teilweise Unterbrechung ihrer Lebensadern gänzlich zusammenzubrechen. So kann heute ein Streik in einer einzigen Zulieferfirma oder der Zusammenbruch eines Kommunikationsnetzes oder Transportweges die Endfertigung empfindlich stören, wenn nicht vorübergehend außer Betrieb setzen. Das heißt, dass eine Reihe von einzelnen und relativ kleinen Streiks zu einem allgemeinen Stillstand ausufern kann, der, wenn er bewußt und aktiv gefördert wird und zu einem günstigen Moment allgemeiner Unzufriedenheit stattfindet in einen Generalstreik umschlagen kann.

Doch wir sprechen hier nicht nur von direkten Aktionen und Sabotage einer Hand voll klassenbewußter Werktätigen, sondern von einem „sozialen“, sprich gesamtgesellschaftlichem Phänomen. D.h. gerade auch von jenen Teilen der ArbeiterInnenklasse, die nicht oder nur zum Teil in den regulären Erwerbsarbeitsprozeß eingegliedert sind. Arbeitslose, Reproduktionsarbeitende (Haushalt, Kindesversorgung,…), Auszubildende,…
Sie können sich nicht nur an der aktiven Unterbrechung von Transportwegen, Betriebsbesetzungen und ähnlichem beteiligen, sondern es liegt v.a. auch an ihnen, das Gesetz des kapitalistischen Wirtschaftsform „Nur essen zu dürfen, wenn man auch arbeitet“ auszuhebeln. Nicht nur, dass Mieten nicht mehr gezahlt werden oder freier Wohnraum für alle geöffnet wird, der Konsum in seiner Gesamtheit gilt sozialisiert zu werden. Nicht zuletzt der Zusammenbruch der kapitalistischen Ökonomie wird dafür sorgen, dass sich die KonsumentInnen das nehmen werden was sie brauchen. Die herrschende Klasse und ihre Medien nennen es „Plünderung“, wir nennen es „Expropriation“, also Enteignung der Besitzenden. Wohlweißlich der Besitzenden, der großen Kaufhäuser und Lagerhallen.
Ebenso wie der Konsum auf kommunistische Grundlage gestellt wird, wird es die Produktion. Die ArbeiterInnen beginnen nun die nützlichen Maschinen und Strukturen zu übernehmen, und die schädlichen, gefährlichen und unnützen abzuschalten oder umzufunktionieren.
An diesem Prozess sind ebenso die bislang aus dem Erwerbsarbeitsleben Ausgeschlossenen beteiligt, da der Erfolg einer Revolution immer daran gemessen wird, ob er tatsächliche, für alle spürbare, materielle Verbesserung und Befreiung mit sich bringt. Die im Kapitalismus in Form von Arbeit verrichteten Tätigkeiten sollen schließlich unter allen Willigen und Fähigen aufgeteilt werden, wo sie für die Gesellschaft notwendig sind und schlichtweg nicht wieder aufgenommen werden, welche dann keinen menschlichen Nutzen mehr haben: Kriegswirtschaft, Bürokratie, Polizei, Militär, Geldwirtschaft, Hierarchien, Kommando und Überwachung über die Arbeitenden…

Nicht militärischer sondern ökonomischer Kampf!
Hierin verdeutlicht sich auch, dass die Revolution gegen einen voll entwickelten Kapitalismus nichts mehr mit den Barrikadenkämpfen und Palasterstürmungen von 1789, 1848 oder 1917 zu tun haben. Militär- und Polizeieinheiten sind geschult und gerüstet für den Straßenkampf, sie erfüllen ab einem gewissen Punkt sozialer Auseinandersetzungen keinen anderen Zweck mehr. Nicht zuletzt aus Gründen der Aufstandbekämpfung wurden in den modernen Städten kleine verwinkelte Gässchen und gepflasterten Straßen entfernt und für militärische Aufmärsche, Kanonen- und Kavallerie-, später Panzereinsatz präpariert. Auch die heutigen Überwachungssysteme erfüllen primär den Zweck, suspekte Zusammenrottungen frühzeitig erkennen zu können.

Während die Barrikadenkämpfe vergangener Tage an der Passivität und Furcht Zigtausender gescheitert sind, nützt es dem Generalstreik in erster Linie gerade zu, wenn möglichst viele Arbeitenden zu Hause bleiben. Viele, die vielleicht zum ersten Mal nicht durch geist- und körpertötende Arbeit oder Existenzangst geschwächt werden und durch den Generalstreik zum Innehalten, Nachdenken und Mitreden angehalten sind, werden erkennen für welche Seite sie sich entscheiden müssen.
Wiewohl oft schon bei vergangenen Revolutionen die Präsenz von Millionen Menschen auf den Straßen einen militärischen Einsatz sinnlos gemacht haben, liegt der Schlüssel nicht auf einer vorübergehenden Massenentladung, etwa darin einige gut verteidigte Gebäude anzugreifen, die im Falle einer sozialen Revolution nur mehr symbolischen Wert besitzen. Erfolgreiche Generalstreiks der Neuzeit verwanden ihr Energie vielmehr darauf, jegliche Produktion, Transport und Kommunikation zu unterbinden.
Immer hat die herrschende Klasse zuerst versucht, StreikbrecherInnen einzusetzen, und wenn das nicht mehr funktioniert hat, Soldaten in die Betriebe, Eisenbahnzüge und Telefonämter geschickt. Das bindet jedoch nicht nur kämpfende Truppen, die reichlich viel vom töten aber wenig von der Arbeit verstehen. Durch massive Sabotage von Kommunikations- und Transportsystemen wurde die rasche Verschiebung und Versorgung von Truppenteilen verhindert. Auch diente die Beschlagnahme von den transportierten Gütern umgehenst der Versorgung der ArbeiterInnen, die etwa durch Sicherheitskräfte daran gehindert wurden, sich über die Geschäfte und Lager der Bourgeoisie zu ernähren.
Während bei begrenzten bewaffneten Aufständen die erfahrensten Militäreinheiten von Brandherd zu Brandherd geschickt wurden, um diesen zu ersticken, wäre das bei einem sozialen Generalstreik unmöglich: Truppen müssten nicht nur dazu verwand werden, Regierungsgebäude, Justizpaläste, Gefängnisse, Banken, Ämter, Kasernen, Polizeiwachzimmer oder auch bekannte RepräsentantInnen des Systems vor der Wut der aufgebrachten Menge zu schützen. Vielmehr müssten sie abkommandiert werden, jeden Bahnhof, jeden Eisenbahnzug, jede Autobahn, jede Brücke, jedes E-Werk, jede Raffinerie, jede Sendeanlage, jede Stromleitung, zudem Lager, Felder, Bergwerke… vor den ArbeiterInnen zu „beschützen“. Sie müssten den notdürftigen Betrieb ebendieser durch den Schutz von Streikbrechern oder dadurch gewährleisten, selbst Hand anzulegen.
Sobald auf Reservisten zurückgegriffen wird, und dass müsste man wohl, besteht naturgemäß die Gefahr der Befehlsverweigerung und Desertation oder gar der Meuterei ganzer Einheiten, die zum „Feind“ überlaufen, handelt es sich doch bei den meisten Reservisten um normale Arbeiter…
„Das ist die ungeheure Überlegenheit der sozialen Revolution, die als friedlicher Generalstreik anfing, dass sie sich auf das ganze Land ausdehnt. Wie die Zerstreuung der Revolution die Bedingung ihres Sieges ist, so ist dieselbe Zerstreuung der Militärmacht die Ursache ihres Untergangs. In kurzer Zeit wird sie disziplinlos gemacht, entwaffnet und vollständig gebrochen. Mit ihr fällt auch das bestehenden auf Bajonetten beruhenden System.“ (Arnold Roller, Der soziale Generalstreik)

Und das Eingreifen „Fremder Mächte“? Bei einem national begrenzten Aufstand bestünde dies Gefahr durchaus. Wie wohl Alexander Berkman auch meinte, dass man Arbeiter mit Gewehren niederstrecken, nicht aber zur Arbeit zwingen könnte.
Doch gerade in einer international immer verflochteneren Wirtschaft werden und müssen ernsthafte soziale Veränderungsbestrebungen nicht auf ein Land beschränkt bleiben. Militärmächte werden so genug damit zu tun haben, ihre „eigene“ Bevölkerung in Zaum zu halten. Zumal sich gerade heute am Beispiel der USA zeigt, wie fragil ein alle Ressourcen und Menschen verschlingender Militärapparat ist, wenn die sozialen Gegensätze im eigenen Land nicht mehr wegzuleugnen sind. Tatsächlich zeigen auch alle tiefgreifenden Revolutionen seit 1848, dass ihre Wirkung niemals nur auf ein Land beschränkt blieb.

(Aus: Soziale Hängematte)

1 10 2007
anarchosyndikalismuswien

Sabotage reloaded

Ein paar grundlegende historische Gedanken aus der Sicht der Industrial
Workers of the World (aus Rebel Voices, an IWW Anthology)

Die amerikanischen Industrial Workers of the World (www.iww.org) sahen und
sehen in der Sabotage am Arbeitsplatz und in sämtlichen Lebensbereichen ein
wirksames Mittel im Klassenkampf. Da der Begriff Sabotage zumeist negativ
verwendet wird, bzw. um näher zu bringen, was wir darunter verstehen, im
Folgenden einige historische (aber dennoch aktuelle) Worte hierzu.
Das Wort Sabotage ist französischen Ursprungs und leitet sich von sabot = Holzschuh ab.
Sabotage in der heutigen Bedeutung kommt also von: entweder einen hölzernen Schuh in eine Maschine werfen (Zerstörung, unbrauchbar machen), oder von „Travalleir a coups de sabots“ – arbeiten, als träge man einen Holzschuh: langsam, behäbig, faul (Verweigerung, passiver Widerstand).

Sabotage ist eine Form der Direkten Aktion:
Direct Action (sinngemäß):
„Direct Action ist die wirtschaftliche Aktion der, für und durch die ArbeiterInnen selbst ohne die Hilfe von ArbeiterInnen (Ver-)FührerInnen oder Politikerinnen. Ein Streik der von den Arbeiterinnen selbst initiiert und kontrolliert wird, ist Direkte Aktion. Direkte Aktion ist die kollektive Aktion am Arbeitsplatz mit dem Ziel reale Verbesserungen zu erreichen.
Direct Action is industrial democracy.“ Unter dem geläufigen Wobblie Terminus „industrial democracy“ versteht man/frau die antikapitalistische Verwandlung der Ökonomie und somit der Gesellschaft mittels gewerkschaftlich proletarischer Aktion. Hier wird ähnlich wie bei den SyndikalistInnen und RätekommunistInnen betont, dass die Aktion/die Bewegung das Ziel vorweg nimmt. Dass Weg und Ziel ident sind, bzw. sein sollen.

Direkte Aktion ist das Kampfmittel der ArbeiterInnen. Zugleich um bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen, anderseits als „Training“ für den Generalstreik.
Sabotage als wirtschaftliches Kampfmittel muss aber nicht ausschließlich in diesem Zusammenhang vordergründig revolutionär gesehen werden: ArbeiterInnen einer Baumwoll-Manufaktur legten die Produktion lahm indem sie eine Spule in den Webstuhl warfen, um Samstag abends ein Baseballspiel sehen zu können. (dennoch ist auch in diesem und ähnlichen Fällen, wie ich meine, Sabotage Ausdruck von Unzufriedenheit und Ausdruck der eigenen Stärke)

Ben H. Williams schreibt in Solidarity (Pennsylvania Feb. 1911):
Sabotage reicht von passivem Widerstand bis zur Zerstörung von Eigentum. Aber Sabotage bedeutet nicht zwangsläufig Zerstörung von Produktionsmittel. Williams erklärt an einem Beispiel aus Österreich eine Form des passiven Widerstandes: den Dienst nach Vorschrift! Die ArbeiterInnen der K.u.k. Eisenbahnen hielten sich strikt an die gesetzlichen Vorgaben. Das hatte zur
Folge, dass der Eisenbahnverkehr für 24h praktisch lahm gelegt wurde.
Dadurch erreichten sie ohne großen Aufwand und nur durch legale Mittel, dass ihre Forderungen von der Regierung erfüllt wurden (leider weiß ich nicht welche Forderungen das waren). Ein Nebeneffekt war, dass sie die Ineffektivität des Staatlichen Apparats aufzeigten.
Williams lehnt die Zerstörung von Maschinen, Brücken etc. als uneffektiv und schädlich ab. Sabotage, in welcher Form auch Immer, so Williams, ist so alt wie die ArbeiterInnenbewegung selbst. Sie findet statt, individuell oder kollektiv! Wir müssten sie nicht „propagieren“, sondern lediglich „erklären“.

„Kapitalismus und Sabotage bedingen sich gegenseitig. Sabotage ist der Ausdruck der Unzufriedenheit mit den herrschenden Verhältnissen. Wir müssen den Arbeiterinnen erklären, dass Sabotage, wenn sie kollektiv angewandt wird, ein wirksames, wenn nicht das wirksamste Kampfmittel der arbeitenden Klasse ist.“ (sehr sinngemäß nach „father“ Haggarty, ein zum revolutionären Unionismus bekehrter Priester)

Dem landläufigen Vorwurf, Sabotage bedeute Zerstörung entgegnete ein gewisser J.T. Doran welchem der Staatsanwalt aus seiner Sabotage-Propaganda einen Strick drehen wollte in dem er den Spieß umdrehte: In Californien wurde ein Staudamm gebaut, bei dem zwecks Schonung der Ausgaben und Erhöhung des Profits minderwertiges Material verwendet wurde.
Dieser Damm brach und zerstörte dutzende Kleinfarmen. Sabotage von Seiten der ArbeiterInnen wäre in diesem Fall, so viel Zement wie nur möglich, so reinen Sand wie nur möglich zu verwenden und so gewissenhaft (langsam) wie
nur möglich zu arbeiten: Also „korrekt“ zu arbeiten. Doran selbst, der einmal an einem Vorstadt – Haus die Elektroinstallationen
anfertigte wurde von seinem Boss gefragt, warum er so lange daran arbeite. Dieser antwortete, dass er einen guten Job machen wolle um ein gutes lebenswertes Haus zu hinterlassen. Der Boss sagte darauf: “Ich baue dieses
Haus nicht um darin zu leben, ich baue es um es zu verkaufen“ Doran führt weiter aus, dass (1918) in Californien Obst und Gemüse verrottet, da der Verkauf nicht profitabel ist, während in New York Kinder
hungern (siehe Milch- Schweine- Butter- Berg etc. heute). Welchen Schaden diese Art der „Sabotage im Auftrag der Herrschenden“ verursache, wird nie erwähnt.

Auf einen ähnlichen Vorwurf eines Journalisten antwortete ein Wobbly-Holzfäller: „Won’t we be taking (the lumber camps) over one of these days, and what sense would there be in destroying what is going to belong to us?”

Sabotage/direkte Aktion partiell oder generell bedeutet das Herz des Kapitals zu treffen, indem mensch die Quelle des Mehrwertes zum versiegen bringt, die Lohnarbeit! Wir erreichen durch verschränken der Arme mehr, als wenn wir sie benutzen (passive resistance, civil disobedience).

„Zurzeit arbeite ich bei einem Abriss-Unternehmen. Wir reißen das Pontchartrain Hotel ab. Überleg dir das mal; Dieses wunderbare Gebäude wurde von ArbeiterInnen gebaut, welche teilweiße selbst kein Dach über dem Kopf hatten. Und nun wird ihnen angeschafft dieses Haus nieder zu reißen, um ein neues, größeres Bankgebäude zu errichten. Das nenne ich Sabotage!“ (ein Wobbly)

In den vergangenen und zukünftigen Ausgaben der sozialen hängematte wurde bereits und wird auch weiterhin so manches über Sabotage und Direkte Aktion geschrieben. Dies alles sind natürlich nur Fragmente. Was wir damit anfangen, müssen wir
wahrscheinlich selber erst lernen. Die theoretische Auseinandersetzung mit dem was praktisch passiert, halten wir aber für notwendig. Denn der Klassenkampf findet unabhängig davon statt, ob wir es einsehen wollen oder
nicht. Es geht nicht darum, Bedingungen aus zu machen, welche eine revolutionäre Strömung oder gar einen Umsturz ermöglichen. Es geht darum, zu sehen was ist, die Augen zu öffnen und die Dinge beim Namen nennen. Auch und vor allem diesen Zweck hat diese Zeitung. Dem sollen und werden auch Taten folgen, denn ich und viele andere haben einfach keine Lust, unser Leben mit Malochen und Kuschen, und das für eine handvoll Euros mehr, zu verbringen.
Wir wollen alles und das jetzt.

(Wobbly x357708)

4 12 2007
anarchosyndikalismuswien

I02 Essen:
Über Direkte Aktion als „Propaganda durch die Tat“, die Schaffung einer „Moralischen Ökonomie“ und die Notwendigkeit einer institutionalisierten Handlungsfeldes.

Über Direkte Aktion als „Propaganda durch die Tat“, die Schaffung einer „Moralischen Ökonomie“ und die Notwendigkeit einer institutionalisierten Handlungsfeldes.

[Harald B. A.]

Die Definition von Direkter Aktion

Ich werde da anfangen, wo ich auch mit einem Artikel begann, den ich für die Anarcho-Syndicalist Review verfaßt habe. Während einer Organisierungskampagne für die Industrial Worker of the World (IWW) stellte Eugene V. Debs im Dezember 1905 fest: „Die Kapitalisten besitzen die Werkzeuge, die sie nicht benutzen und die Arbeiter benutzen die Werkzeuge, die sie nicht besitzen“. Dem könnte man hinzufügen, dass Direkte Aktion manchmal bedeuten kann, die Werkzeuge, die wir nicht besitzen, außer Betrieb zu setzen und bei anderen Gelegenheiten sie ins Spiel zu bringen für unsere eigenen, selbstgesetzten Notwendigkeiten und Ziele. Letztlich kann es nur bedeuten, so zu handeln, als würden all die Werkzeuge in der Tat uns selbst gehören. Wenn man die Direkte Aktion bis zu ihrer letzten und logischen Konsequenz betreibt, ist sie die libertäre soziale Revolution: die direkte Übernahme, Umgestaltung, Transformation und Dekonstruktion (wenn sie mit unseren selbstgesetzten menschlichen Bedürfnissen nicht zusammenpassen) der Produktionsmittel (die die materiellen Werkzeuge der Freiheit darstellen) durch die ArbeiterInnenklassen und die Entwaffnung derjenigen Kräfte, die die bestehende Ordnung beschützen.

Ich möchte an dieser Stelle die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass der geplante Krieg des Pentagons gegen den Irak vollständig von der Verwendung der Handelsmarine verschiedener Flaggen abhängig ist, um militärische Ausrüstung in die Golfregion zu transportieren. Im Zusammenhang mit einem geplanten wilden Streik in einer Schokoladenfabrik in der ich einmal gearbeitet habe, benutzten wir die bei der Firma beschäftigten Fahrer als direkte Boten zwischen uns und den ArbeiterInnen in den Zulieferbetrieben. Zusammen mit Süßigkeiten und Schokolade lieferten sie auch Flugblätter aus, die zur Aufsässigkeit aufriefen. Der Umstand, dass wir Arbeitszeit und Firmenfahrzeuge zu diesem Zweck verwendeten, trieb die Bosse noch viel mehr auf die Palme, als der Inhalt der Flugblätter an sich. Bosse neigen dazu ein feines Gespür für die Bedeutung von Formalitäten zu haben und sie verstehen beinahe instinktiv, wenn ihre Autorität an sich von dem bedroht wird, was der englische Historiker E. P. Thompson als moralische Ökonomie der erzeugten arbeitenden Klasse bezeichnen würde.

Direkte Aktion kann definiert werden als eine Aktion, die von niemandem anderen als uns selbst getragen wird, bei der die Mittel gleichzeitig auch die Ziele sind. Falls letzteres nicht der Fall sein sollte, wie z.B. bei nicht von der Gewerkschaftsbürokratie vermittelten Lohnstreiks, stehen zumindest die Mittel (Verringerung des Profits der Bosse durch unsere Nicht-Arbeit und damit auch die Verringerung ihrer Macht) in einem unmittelbaren Zusammenhang zu selbstgesetzten Zielen (Erhöhung unserer Löhne und Ausdehnung unserer eigenen Macht). Eine erfolgreich durchgeführte Direkte Aktion hat eine direkte Neugestaltung der existierenden Lebensbedingungen durch die vereinigten Anstrengungen der direkt Betroffenen zur Folge.

Ich habe Direkte Aktion als eine Handlung ohne Stellvertretung definiert. Wer aber sind die direkt Betroffenen und an welchem Punkt hört eine Handlung auf eine Direkte Aktion zu sein, weil es nicht mehr die direkt Betroffenen sind, die sie durchführen? Die Verfechter der Ideologien von repäsentativer bürgerlicher Demokratie, Sozialdemokratie und Leninismus nehmen alle für sich in Anspruch für „die Leute“ im Interesse „der Leute“ zu handeln. Darin unterscheiden sie sich nicht von einem Herrscher oder König, Von AnarchistInnen wurde stets nicht nur abgelehnt, dass die Repräsentanten dieser Ideologien das tun, sondern bereits die bloße Absicht, dass sie es tun könnten. Oder, noch weitergehend, selbst wenn sie könnten, sagen wir, dass dies dennoch nicht in unserem eigentlichen Interesse wäre, weil unsere Selbstbestimmung ein zentrales Wesensmerkmals des Menschseins ist.

Auf der anderen Seite halten wir die Prinzipien von gegenseitiger Hilfe und Solidarität hoch, dass ein Angriff auf eine von uns, ein Angriff auf alle ist und damit auch die Sache aller. Es geht hier aber nicht um philosophische Rätsel sondern um die Poltik der menschlichen Emanzipation. Auf dieser Ebene führt uns die Beantwortung dieser Frage zu einer weiteren: Wer hat die Definitionsmacht? Ich definiere die niedrigen Löhne und die schlechten Arbeitsbedingungen in Firma X, egal wo diese sich auf der Welt befinden mag, als meine Sache. Ich tue dies nicht nur aus moralischen Gründen, sondern – in Anlehnung an Bakunin – weil in den Händen der Besitzer der Welt ihre Ausbeutung und Unterdrückung zum Instrument meiner eigenen Unterordnung wird. Zur logischen Schlußfolgerung gebracht könnte uns dieser Gedankengang allerdings geradewegs wieder zur Herrschaft durch Stellvertretung und zum erleuchteten Despotismus zurückbringen. Die Definitionsmacht muß sich bei den ArbeiterInnen von Firma X befinden. Dennoch würde mich die Teilnahme an einer Direkten Aktion auf ihre Initiative oder durch vereinte Initiative und Kooperation, zu einem Teil dieser Direkten Aktion machen, wenn diese sich auch ansonsten als solche qualifiziert, wie z.B. eine Blockade während eines Streiks. Wir haben uns dann gemeinsam als Kollektiv mit gemeinsamen Interessen definiert, das einen Angriff auf eine als Angriff auf alle ansieht, Es gibt noch viele weitere Dinge, die zu diesem Punkt gesagt werden könnten. Das Entscheidende ist aber, seine Wichtigkeit zu verstehen, damit eine Aktion, die für sich in Anspruch nimmt eine direkte zu sein, uns nicht auf den Weg in Richtung Elitismus bringt und damit weg vom anarchistischen Projekt der individuellen und sozialen Emanzipation.

Die Definition von Direkter Aktion als eine Aktion ohne Vermittler benötigt eine genauere Bestimmung. Vom anarchistischen Standpunkt aus betrachtet ist Direkte Aktion nicht nur mit Solidarität verknüpft, sondern auch mit dem, was als Vorbedingung für Solidarität und das zugrundeliegende Prinzip der direkten Demokratie angesehen werden kann, nämlich nichthierarchische menschliche Kommunikation. Eine solche Kommunikation liegt dem zugrunde, was Direkte Aktion immer ist, nämlich individuelle und kollektive Selbstbefähigung. Da Direkte Aktionen immer ihre Ziele beinhalten, finden sich darin auch ihre Mittel wieder. Je mehr sich Ziele in den Mitteln ausdrücken, desto direkter ist die Aktion.

Direkte Aktionen sind primär, wenn nicht sogar vollständig mit kollektive Aktionsformen. Schon alleine deswegen, weil wir als entlohnte und nichtentlohnte ArbeiterInnen die Macht haben, unsere Lebensbedingungen direkt und oft sogar unmittelbar zu ändern. Je weniger handeln, desto symbolischer werden unsere Handlungen sein. Sie neigen dann dazu, nicht ein Mittel zur Umgestaltung von Teilen unserer Realität durch unsere eigenen Bemühungen zu werden, sondern in erster Linie ein Appell an die Macht von anderen. Während manche in der Illusion leben mögen, dass wir durch Direkte Aktion der Notwendigkeit uns zu organisieren entkommen könnten, ist genau das Gegenteil der Fall: sie benötigt im Allgemeinen ein höheres Maß an organisierter Koordination. Der Grad unserer eigenen Desorganisation ist der Grad in dem unser Leben durch andere organisiert werden wird. Wir sind es, die die Welt erschaffen. Da wir es als ein Kollektiv tun, (wenn auch momentan unter dem Kommando und durch die Vermittlung der Besitzer der Welt), können wir auch gemeinsam direkte und tiefgreifende Veränderungen ohne Vermittlung durch außenstehende Mächte erreichen und in letzter Konsequenz die Welt und die Fähigkeit über unser eigenes Geschick zu bestimmen, erringen.

Direkte Aktion kann auch als eine Art Sprache angesehen werden: Als eine Sprache der praktischen Artikulation. Als solche beinhaltet sie auch eine symbolische Kraft, die weit über die eine rein symbolischen Aktion hinausgeht und zwar genau deswegen, weil die Botschaft in den Mitteln enthalten und nicht davon losgelöst ist. Direkte Aktion ist immer „Propaganda durch die Tat“.

Der Begriff „Propaganda durch die Tat“ erzeugt Assoziationen an Bomben und andere individuelle Handlungen von Verzweifelung und sozialer Machtlosigkeit. Aber diese Verbindung ist nicht unbedingt notwendig. In einer Situation, in der wir uns globalen Aufgaben gegenübersehen, mögen wir Direkte Aktionen, die zu nur lokalen Veränderungen im Hier und Jetzt führen oder die international, aber nur von einem kleinen Sektor der Klasse ausgeführt werden, für einen Tropfen auf einen heißen Stein halten. Erfolgreich Direkte Aktionen verbreiten aber eine Nachricht, die über ihre unmittelbaren Ziele hinaus gehen und die die Saat einer libertären sozialen Revolution mit sich tragen. Akte von unmittelbarer Selbststärkung neigen dazu, ansteckend zu sein, da sie praktisch verdeutlichen, dass es Wege gibt, die außerhalb des Reichs von bürokratischen Vermittlnern und parlamentarischer Vertretung beschritten werden können.

Elemente von Direkter Aktion können in Aktionen vorhanden sein, die sich nicht vollständig als solche anzusehen sind. Ein wesentlicher Teil unserer Aufgabe besteht darin, diese Elemente, wo immer es möglich ist, so stark als möglich zu machen. Darin, eine bestimmte Praxis zu verbreiten, die ihre Wurzeln in einer anderen moralischen Ökonomie hat, die in sich die Saat für eine andere Art und Weise trägt, das Leben zu organisieren. Das bedeutet auch, und das kann nicht genug betont werden, dass die Aktionsform an sich wichtig ist und dass sie eine laute und deutliche Botschaft transportieren muß.

Ich möchte diesen ersten Teil mit der Behauptung abschließen, dass ein revolutionärer Syndikalismus oder ein Anarcho-Syndikalismus, der nicht zumindest teilweise die gesetzlich regulierten Arbeitsbeziehungen bekämpft, ein Widerspruch in sich ist. Anarcho-Syndikalismus bewegt sich entweder im Grenzland zwischen Legalität und Illegalität oder gar nicht.

„Operaismus“ und die Fragestellung Kommunikationsstrukturen

In einem mehrfach interessanten Papier zu Klassenzusammensetzung, das die durch den italienischen Operaismus inspirierte Gruppe Kolinko verfasst hat, die auf dieser Konferenz verantwortlich zeichnet für den Workshop zu „Befragungen und Eingreifen in Callcentern,“ ist zu lesen:

„Der formale Begriff von Ausbeutung (enteignete Mehrarbeitszeit) macht nicht erkennbar, welche Möglichkeiten der Selbstorganisierung die ArbeiterInnen entwickeln können. Als „NichtbesitzerInnen“ von Produktionsmitteln haben sie keine Macht, und die bloße Tatsache, dass sie alle ausgebeutet werden, schafft keinen wirklichen Zusammenhang zwischen ihnen. Die Möglichkeit der Selbstorganisierung ergibt sich nur aus der Tatsache, dass die ArbeiterInnen in einem praktischen Verhältnis zu sich selbst und zum Kapital stehen: sie arbeiten im Produktionsprozess zusammen und sind Teil der gesellschaftlichen Arbeitsteilung. Als ProduzentInnen stehen sie dem Kapital nicht als formale „Lohnabhängige“ gegenüber, sondern durch ihre praktische Tätigkeit produzieren sie das Kapital. Nur in diesem Verhältnis können ArbeiterInnenkämpfe eine eigene Stärke entwickeln.“

Sie fahren dann fort:

„Die Isolation der ArbeiterInnen in einzelne Betriebe, Branchen etc. und die darauf basierende Beschränkung von Kämpfen lässt sich nicht „künstlich“ aufheben, indem die Gemeinsamkeit der ArbeiterInnen als „ausgebeutete Lohnabhängige“ als Grundlage der Organisierung genommen wird. In diesem Versuch besteht der Kern jeder gewerkschaftlichen Organisierung: es werden immer äußerliche Organisationen und Vertreterinstanzen notwendig sein, um den „formalen Zusammenhang“ der Lohnabhängigkeit organisatorisch zusammenzuhalten.“

Kolinko wählen sich eine geschichtlich auferlegte Aufteilung der arbeitenden Klasse zum Ausgangspunkt. Sie unterstreichen die tatsächliche Praxisbeziehung zwischen Arbeitenden, die damit einhergeht, wenn wir als LohnsklavInnen zufallsartig zusammengewürfelt werden, und stellen fest, dass die bloße Tatsache, dass alle Arbeitenden ausgebeutet werden, noch keinen wirklichen Zusammenhang zwischen uns als Menschen herstellt: Es liegt keinerlei Macht im „Nicht-Besitz“, wie sie etwa in der Tatsache begründet liegt, dass ohne unsere Hirne und Muskeln sich kein einziges Rad bewegen würde. Daraufhin verurteilen sie als künstlich, wenn irgendeine Institution einen Zusammenhang erzwingen will, der nicht auf der tatsächlichen gesellschaftlichen Zusammenarbeit Arbeitender gründet, sondern bloß auf dem „formalen Zusammenhang“, als Lohnarbeitskraft ausgebeutet zu werden. Dies ist eine klare Bezugnahme auf Gewerkschaften.

Was an diesem Bild stimmt, ist offensichtlich, aber was haben Kolinko falsch gemacht? Hier wird der wirkliche Zusammenhang eingesetzt als einfach abgeleitet von den Bedingungen, die mit Kapitalherrschaft einhergehen, wobei Anstrengungen Arbeitender, ihre eigenen Kräfte zu vereinen zur Überwindindung oder doch Schwächung dieser Herrschaft und der damit auferlegten Teilung, aufgefasst werden als notwendigerweise immer künstlich von außen übergestülpt und einen bloß formalen Zusammenhang bildend. Nun ist es, wo heutige körperschaftliche Gewerkschaften dabei angelangt sind, die Tatenlosigkeit Arbeitender zu organisieren statt der Selbstorganisierung von eigenem Handeln der Arbeitenden, nicht völlig abwegig, diesen formalen Zusammenhang als künstlich zu bezeichnen. Das heißt, soweit Mitgliedschaft in diesen sogenannten Gewerkschaften nicht viel mehr umfasst, als versichert zu sein, und soweit die gewerkschaftliche Vertretung auch einfach durch eine rein juristische ersetzt werden könnte.

Wo nun aber Kolinko – wie andere vor ihnen – behaupten, dass Gewerkschaften und ständige Strukturen überhaupt per Definition reformistisch sind, da finde ich es selbstverständlich, dass nur
– indem wir sozusagen künstlich – also schöpferisch und mit Institutionen – die Teilungen überwinden, die das Kapitalverhältnis uns auferlegt,
– indem wir unsere Mittel mit unseren Zielen vereinbaren, um direkte Neugestaltung bestehender Lebensbedingungen hervorzubringen durch unsere zusammenwirkenden Anstrengungen,
– indem wir uns gegenseitig als Teil der Menschengemeinschaft verstehen und dabei eine Ungerechtigkeit gegen 1 von uns als eine gegen uns alle auffassen und indem wir ständige Strukuren errichten zur Kommunikation zwischen Arbeitenden – also nur durch Einheitsgewerkschaft – wir überhaupt erhoffen können, über die trennenden Bedingungen hinaus zu gelangen, die so fruchtbaren Boden bieten für Reformismus und Konterrevolution

Wenn wir zum Ausgangspunkt der Kolinko zurückkommen und von dort weitergehen zu den Praxisbeziehungen zwischen Arbeitenden an einem einzelnen Arbeitsort, gewerkschaftlich organisiert oder nicht – die ganzen Kleinchefs mal nicht mitbetrachtet – so erwächst aus diesen Bedingungen keineswegs automatisch auch nur irgendein Zusammenhang im Kampf. Solcher Zusammenhang muss sozusagen erst künstlich hergestellt werden. Das ist zum Beispiel Voraussetzung eines jeden wilden Streiks.

Kolinko behaupten, angenommen wir als Produzierende widersetzten uns dem Kapital nicht bloß als der Form nach LohnsklavInnen sondern durch die besondere Praxis bei der Herstellung von Kapital, dass dann nur vom Ausgangspunkt dieser Beziehungen unsere Kämpfe ihre Kraft entfalten können. Ohne irgendwie abstreiten zu wollen, wie lebenswichtig es ist, auf dieser Ebene Stärke zu entfalten, werde ich dieser einseitigen Sichtweise zuwider behaupten: dass nur beim Hinausgehen – im Denken und Handeln -über diese beschränkte unmittelbare Umgebung die Arbeitenden-Kämpfe ihre Kraft über Reformismus hinaus entfalten können, hinaus über eine Bewusstheit und Praxis, die völlig an die Logik des kapitalistischen Überlebens gebunden sind. Die liverpooler Hafenleute hatten dies gut verstanden, indem sie die Welt und nichts weniger zu ihrem Streikposten erklärten.

Die Zersplitterung der Arbeitskraft nicht nur zwischen verschiedenen Arbeitssphären, sondern zwischen unserer entlohnten und nicht-entlohnten Zeit – und entlohnten und nicht-entlohnten Arbeitenden – kann mit einem etwas hinkenden Vergleich gesehen werden als ein gigantisches Puzzle, bei dem es nötig ist, wenigstens einige der Teile zusammenzupassen, um eine Ahnung vom Gesamtbild zu bekommen. Über einen bestimmten Punkt hinaus entfalten sich Arbeitenden-Kämpfe nicht, solange sie nicht die Staatsgrenzen überschreiten – und vieles an der Körperschaftsstruktur sogenannter Gewerkschaften heutzutage ist der Tatsache zu verdanken, dass sie sozusagen verstaatlicht wurden, was wieder eine direkte Auswirkung der seit der I Internationalen in der Arbeitendenbewegung vorherrschenden Ideologie des Staatskapitalismus war. Umsoweniger können unsere Kämpfe über einen bestimmten Punkt hinaus sich entwickeln, wenn sie nicht über die Grenzen zwischen bestimmten Betrieben und Industriezweigen gehen. Dies zu erreichen geht keineswegs unter Umgehung ständiger Strukturen, innerhalb derer menschliche Kommunikation sich entfalten kann, und in denen auf greifbarer Wirklichkeit gründende Zukunftsträume, wie auch unser einander ergänzendes Wissen und Können, entwickelt werden können. 90 Prozent jeden erfolgreichen Arbeitenden-Kampfes macht menschliche Kommunikation aus.

Ausgeblendet wird aus dem anti-gewerkschaftlichen Blickwinkel heraus, dass die körperschaftliche Gewerkschaftsbewegung – die mit der Organisierung von Nichtstun und Zersplitterung eine besondere Sorte Desorganisation institutionalisiert hat – nicht einfach ein Ergebnis natürlicher Entwicklung ist, sondern einer Geschichte von Klassenkämpfen und betrieblicher wie staatlicher Unterdrückung einerseits, sowie anderenteils einer langen Vorherrschaft staatskapitalistischer Ideologie innerhalb der Arbeitendenbewegung. Heutzutage braucht es ein ganzes Strebwerk von Gesetzen zur Aufrechterhaltung dieser Bedingungen.

Auch wird ausgeblendet, dass der Arbeitsvertrag, sei er kollektiv oder individuell, schon von seinem eigentlichen Wesen her ein dem Kapitalismus grundlegender Disziplinierungsmechanismus ist, und dass in solche Verträge einzuwilligen eine bedingte Anerkennung der Klassenbeziehungen darstellt. Das ist einfach Vorbedingung fürs Überleben eines/einer jeden Arbeitenden, daraus kann sich niemand aufgrund politischer Überzeugung zurückziehen, und schon gar nicht auf individueller Ebene. Das lässt die Kapitalherrschaft bloß unangefochten dastehen. Als LohnsklavInnen – zeitweilig in Arbeit oder zeitweilig ohne Arbeit, im Formungsprozess zum/zur Arbeitenden oder als socheR schon abgeschrieben – sind wir mit dem Funktionieren des Kapitalismus verbunden. Allerdings ist diese Verbindung nicht umfassend; wir sind keine bloßen Anhängsel des Kapitals. Unsere Anerkennung ist immer unter Vorbehalt. An der Verbindung gibt es einen Riss, der aufgeweitet oder zusammengezurrt werden kann.

Da haben Arbeitende für mehr als einen kurzen Zeitabschnitt es fertiggebracht, einen Riss zu verursachen in den Ketten, die sie an das Vertragssystem binden – auf das sich die Syndikalisten bezogen, wenn sie „Sklavereiverträge“ sagten – und zwar genau weil sie nicht-hierarchisch-ihre Kräfte als Gewerkschaft vereinten. Dass diese Ketten nicht völlig zerbrochen werden können, solange es kapitalistische Beziehungen gibt, muss nicht extra erwähnt werden. Doch ein Beispiel solch unvollendeter Abtrennung war der Gebrauch des sogenannten Registers – einer durch die Syndikalisten in der SAC entwickelten Methode. Diese Herangehensweise wäre am besten als Dauerstreik beschrieben – das Zurückhalten der Arbeitskraft noch vor jeglicher Anstellung. Es wurde einseitig ein Mindestlohn erzwungen, unter dem keine Arbeitenden sich anheuern lassen würden. Wers doch tat – das galt als Streikbruch – hatte sich den Konsequenzen zu stellen. Die Löhne dort, wo diese Arbeiterklassen-Moral-Wirtschaft herrschte, stiegen spürbar über die Höhe, wie sie in Regionen mit sozialdemokratischer Gewerkschaftsvorherrschaft üblich war, und sie hatten in bindende und zeitlich begrenzte Verträge Eingang gefunden. Was schwerer wiegt: diese und andere angewendete Methoden direkter Aktion nährten einen gewissen Geist schöpferischer Rebellion. Darauf komme ich noch zurück.

Um diesen Teil abzuschließen, obwohl es ja noch viel mehr dazu zu sagen gäbe: Vereinnahmung ist wie Lenins berüchtigte revolutionäre Bewusstheit nicht einfach etwas von außen übergestülptes. Sie ist in der arbeitenden Klasse selber verwurzelt, so sicher wie das Potenzial zur Rebellion. Die Tendenz zu Reformismus und Vereinnahmung, die es im Anarchosyndikalismus immer geben wird, ist einer seiner größten Trümpfe. Sie erzwingt, dass Antworten auf diese Fragen greifbar und tagesaktuell sind und nicht in eine abstrakte Zukunft verweisen. Wo nun die einzige Garantie gegen Vereinnahmung der Tod ist, könnte gefragt werden: Würde eine Organisationsstruktur, die in der Hitze einer revolutionären Situation auftaucht und aus Arbeitenden besteht, deren überwiegende Erfahrung einer bürokratisierten, körperschaftlichen Gewerkschaftsstruktur entstammen – oder gänzlicher Desorganisation – würde die für eine Vereinnahmung in eine alte oder neue Klassenbeziehung weniger anfällig sein? Das glaube ich nicht. Das Gegenteil erscheint als rational viel begründbareres Urteil. Ich weigere mich, jene Logik anzuerkennen, dass Gewöhnung an höhergradige Unterwürfigkeit und Tatenlosigkeit ein großer Trumpf in revolutionärer Situation sei. Weder dies, noch dass ich irgend geschichtliche Anhaltspunkte zur Unterstützung dieser Sicht sähe. Stattdessen sehe ich eine endlose Blutspur und eine endlose Reihe Tyrannen vom Gegenteil Zeugnis ablegen. Es gibt tatsächlich gute Gründe für die Frage, ob nicht, wenn wahre RevolutionärInnEn alle ständigen Massenorganisationen grundsätzlich von sich weisen, dies der endgültige Triumph kapitalistischer Vereinnahmung ist.

CGT, Betriebsräte und die die unvermittelte Kreativität der ArbeiterInnen

Auch wenn die spanische CGT in viele konkrete Kämpfe verwickelt ist, bei denen es jeden Grund für eine Unterstützung gibt, gründet dennoch viel von ihrer Existenz auf der Beteiligung an den Wahlen zu Betriebsräten (comités de empresa und delegados personal) und dies nicht nur als taktische Ausnahme sondern als Regel, die – wenn man es vom Standpunkt der Geschichte der Arbeit bewertet – schnell zu einer unreflektierten Gewohnheit geworden ist. Als Duplikat zum parlamentarischen System mit seiner unglaublichen vierjährigen Wahlperiode, überläßt die Struktur der Betriebsräte den ArbeiterInnen sogar noch weniger Kontrolle über ihre Repräsentanten als dies in dem korporativistischen Konstruktion der Arbeitsbeziehungen in Skandinavien der Fall ist. Die Betriebsräte wurden anfangs von der CGT wegen deren Befürwortung der Klassenkollaboration, des Korporativismus und der Passivität kritisiert und es besteht wenig Zweifel daran, dass diese Strukturen genau für diese Zweck entwickelt und durch das Gesetz abgedeckt wurden und dass sie auch tatsächlich diesen Effekt gehabt haben. Sie dienen der Herstellung von Passivität und der Aufrechterhaltung der kapitalistischen Ordnung durch ein System von Stellvertretung und durch eine Errichtung einer Ebene von Gewerkschaftsoffiziellen, die teilweise oder ganz von der Quälerei der täglichen Lohnsklaverei freigestellt sind. Solche Strukturen sind eine permanente Tragödie, die eine rebellische Seele nach der anderen aufsaugt und wie einem jeder Sozialdemokrat bestätigen kann, sind sie vor allem in einer Hinsicht effektiv, nämlich in der Erzeugung einer ganz besonderen Athmosphäre und Mentalität von konstruktiver Mitverantwortlichkeit, zumal die Bosse ja trotz allem irgendwie auch Menschen sind.

Die Beteiligung der CGT am System der Betriebsräte funktioniert als eine sich selbst legitmierende Praxis. Sie erfüllt die Rolle des radikalen Alibis innerhalb des Systems in einer ähnlichen Weise, wie das diverse selbst-erklärte revolutionäre Parteien innerhalb des parlamentarischen Systems über ein Jahrhundert lang getan haben. Was als pragmatischer Ansatz beginnt, wird als ein besonders Denkmuster internalisiert. Je mehr die CGT sich davon abhängig macht, innerhalb dieser Rahmenbedingungen zu funktionieren, desto mehr begiebt sie sich in einen Käfig und desto schwieriger wird es werden, sich aus dieser Umklammerung zu befreien und sich an der Begründung einer Praxis von autonomen ArbeiterInnenkämpfen zu beteiligen, die auf ihren zwei eigenen Beinen stehen kann und keinerlei staatlich-gesponserte Krücken benötigt. Ein Anzeichen hierfür ist sind die Fälle, in denen die CGT die Initiative dazu übernommen hat, solche Strukturen in Betrieben einzuführen, wo sie davor nicht existiert hatten. Schon allein die Frage nach einer Praxis die in radikaler Seperation vom System der Betriebsräte funktioniert, gerät schnell in Vergessenheit oder droht – falls sie überhaupt noch gestellt werden sollte – herabgewürdigt zu werden. Während man mitmacht, um entweder das System der Betriebsräte von innen heraus zu verändern oder indem man es benutzt, um damit andere Ziele zu verfolgen, endet man darin, dass man selbst von diesem System verändert wird. Es mag einfach sein zu vergessen, dass der sozialdemokratische Reformismus, mit seinen ursprünglich revolutionären Hoffnungen, im Sinne der Kapitalisten genau deswegen erfolgreich war, weil er, unterstützt von so vielen wohlmeinenden Idealisten und weil er tatsächlich einige Verbesserungen erzielte, gleichzeitig die Quelle unterminierte, die ihn erst möglich gemacht hatte und zusätzlich noch die Tür verschloß für fundamentalere Veränderungen der Gesellschaft.

Die Doppelkommunikation, die die Beteiligung der CGT am Betriebsratssystem mit sich bringt, sendet eine Nachricht des Schweigens hinsichtlich dessen, was stattdessen sein könnte und beinhaltet die Art der Doppelzüngigkeit wie sie auch mit Politikern in Verbindung gebracht wird. Was sie der CGT antut – und wie viele Mitglieder sie in einer kurzfristigeren Perspektive bringen kann – ist uninteressant im Vergleich zu ihren Effekten auf die Kreativität der ArbeiterInnen insgesamt. Es geht weniger um die Frage, ob die Entscheidungen, die von einem Betriebsrat gefällt werden, gut oder schlecht sind, sondern darum, dass fast alles auf eine halbjuristische Ebene gebracht wird und – um zur Frage der guten oder schlechtetn Stellvertreter zurückzukommen – dass die Schwerpunkte und die Gedanken wegbewegt werden von den in den ArbeiterInnen selbst schlafenden Potentialen eigener unvermittelter Kreativität, die die einzige Basis darstellt, auf die eine anarchosyndikalistische Praxis begründet werden kann. Anarchosyndikalismus ist mehr als alles andere eine Frage der Föderung eines bestimmten Geistes rebellischer Kreativität.

In dem Sinn, dass die Haltung, einige wenige ausgewählte Repräsentanten könnten die Interessen der ArbeiterInnen an deren Stelle vertreten, der Kern der sozialdemokratischen Ideologie ist und eine Praxis darstellt, die in direktem Widerspruch zu einer Praxis die aus der eigenen, unvermittelten Kreativität der ArbeiterInnen selbst entspringt und zu selbstorganisierten Kämpfen mit dem Mittel der Direkten Aktion steht, kann eine permanente Beteiligung der CGT an diesem System nicht der Logik der Reproduktion der kapitalistischen Ordnung und Ideologie entfliehen. Sofern es ihr aber gelingt, dieser Logik zu entfliehen – was sie ohne Zweifel für sich in Anspruch nimmt – ist es schwer zu begreifen was denn die Ziele dieser Beteiligung eigentlich überhaupt sein sollen. Ihre fortgesetzte und verstärkte Beteiligung an diesen Strukturen hört sich nach Abhängigkeit an. Und ich zumindest, bin nicht in der Lage gewesen, eine Strategie zu entdecken, die aus dieser Situation herausführt, in die sie sich selbst begeben haben, außer diejenige, jeden weiteren Schritt hinein als Ziel in sich selbst zu feiern. Je erfolgreicher das wäre, desto schwieriger wäre es, jemals wieder heraus zu kommen. Das Ende dieser Sackgasse wäre mit fast hoher Wahrscheinlichkeit eine Spaltung innerhalb der CGT, mit anschließender Wiedervereinigung einer Fraktion mit der CNT.

Die SAC und die moralische Ökonomie der ArbeiterInnenklasse

Ich kann an dieser Stelle nicht allzusehr in die Details des Funktionierens der heutigen SAC gehen. Es ist aber relativ offensichtlich, dass, trotz einiger positiver Entwicklungenin den letzten Jahren, mehr als eine oberflächliche Veränderung notwendig wäre, damit die SAC wieder zu der potentiell sozialrevolutionären Kraft wird, die sie einst innerhalb der ArbeiterInnenklasse war. Die SAC hat sich zweifellos eine viel demokratischere Struktur erhalten, als die Gewerkschaftsverbände, die ihre Wurzeln in der sozialdemokratischen Tradition haben und es gibt viele idealistische und wohlmeinende Leute in ihren Reihen. Dennoch ist es sehr schwierig zu entdecken, inwiefern sich ihre Praxis in konkreten Klassenkämpfen von der der sozialdemokratischen Gewerkschaften unterscheidet, außer, dass sie ihren Mitgliedern gegenüber einen größeren Respekt zeigt. Ich denke, es ist auch richtig zu sagen, dass sie immer noch ein viel größeres Potential beinhaltet und aus diesem Grund neige ich auch zu der Meinung, dass die norwegische IAA-Sektion, die NSF, weitaus Schlechteres tun könnte, als der SAC als oppositionelle Kraft beizutreten. Trotz all ihrer Mängel und Fehler fällt es schwer irgendeine Zukunft für den Anarchosyndikalismus in Skandinavien außerhalb der SAC zu sehen.

Vor diesem Hintergrund ist festzuhalten, dass schon alleine die Frage danach, über den die Legalität hinauszugehen, von großen Teilen der SAC-Mitgliedschaft nicht verstanden wird. Selbst die Art von extra-juristiziellen Kämpfen mittels direkter Aktion, wie sie von Zeit zu Zeit auf Betriebsebene innerhalb des Rahmens der sozialdemokratischen, korporativistischen Gewerkschaften stattfinden, werden dann oft als unverantwortlich denunziert, wenn vorgeschlagen wird, sie zur Basis der SAC-eigenen Praxis zu machen. Die Angst vor dem Verlust von Mitgliedern, um das Überleben der Organisation, ist wichtiger geworden als das Überleben, oder korrekter die Wiederaneignung einer spezifisch syndikalistischen Praxis. Ich hoffe, das sich das ändern wird, aber das bislang Gesagte ist nichtsdestotrotz ein ziemlich genaues Bild der derzeitigen Situation.

Ich denke, es ist nicht gänzlich unfähr zu behaupten, dass ein großer Teil der Mitglieder der SAC die rein juristische Definition davon, was ein Streikbruch ist, ebenso verinnerlicht haben, wie die der sozialdemokratischen Gewerkschaften in Skandinavien. Das ist vor dem Hintergrund ihrer eigenen Geschichte umso erstaunlicher. Im Gegensatz dazu haben die Industrial Worker of the World (IWW) sich ein sehr genaues Verständnis vom Konzept des Streikbruchs durch eine Gewerkschaft bewahrt, der mehr als jedes Arbeitsgesetz historisch die SAC als revolutionäre Kraft innerhalb der ArbeiterInnenklasse geschädigt hat.

Es ist nicht weit entfernt von der Wahrheit, zu behaupten, dass das gesamte Gebäude der Arbeitsgesetzte in Schweden vor dem 2. Weltkrieg mit dem einzigen Ziel errichtet wurde, dem Einfluß der SAC auf die Arbeiterklasse ein Ende zu bereiten. Gesetze können natürlich immer gebrochen werden. Der entscheidende Faktor – und das hat die schwedische Arbeitgebervereinigung SAF (Svenska Arbetsgivarfõreningen) sehr gut verstanden – war dabei die Untergrabung einer moralischen Ökonomie der ArbeiterInnenklasse, der ungeschriebenen Gesetze innerhalb der Klasse, die die wirkliche Basis für die Stärke der SAC darstellten.

Seir Gründung der SAC im Jahre 1910 war die größte Kapitalistenvereinigung, SAF, tief besorgt über die syndikalistischen Methoden der Direkten Aktion und sie verwandte viel Zeit und Energie darauf herauszufinden, wie man das, was sie als eine Bedrohung einer geordneten Gesellschaft und die eigentlichen Grundlagen der kapitalistischen Produktion ansahen, bekämpfen könnte. Sie arbeiteten daran, das, was sie als „geheimtuerische und hinterlistige“ Methoden der Direkten Aktion der SAC beschrieben, in das umzuwandeln, was sie als „offene und ehrliche“ Arbeitsbeziehungen bezeicheten. Die Bandbreite an Begriffen, die sie verwendeten, um SyndikalistInnen zu beschreiben, die angeblich „geistig unterentwickelt“ seien und eine „unmoralische Mentalität“ besäßen, die eine „Sache des Strafrechts“ sei, erweckt unweigerlich Assoziationen an die Beschreibung von „Wilden“ durch die Kolonialmächte. So wie die Situation war, beklagten sich die Unternehmer, dass sie nie vorher wüßten, wann die syndikalistischen ArbeiterInnen zuschlagen würden, ebensowenig wann ihre Aktionen endeten, oder ob ein Angebot angenommen worden war, bevor „die Arbeiter plötzlich die Arbeit wieder aufnahmen“. The Syndikalisten in der SAC weigerten sich meistenteils Verträge zu unterzeichnen, und wenn sie es taten, nutzen sie jede Gelegenheit, um sie wieder zu brechen. Abgesehen davon, dass sie ständig Unruhe verursachten, waren sie auch noch völlig unzuverlässig. Besonders aber war die SAF besorgt darüber, wie diese besondere syndikalistische Mentalität das moralische Gebäude der kapitalistischen Ordnung untergrub und damit auch noch die Mitglieder und Ortsvereine der sozialdemokratischen Gewerkschaftsföderation verseuchte. Diese respektierten, den ungeschriebenen Gesetzen der moralischen Ökonomie folgend, die geheimen und offenen syndikalistischen Blockaden und nahmen in zunehmendem Maße die das große Repertoire an Methoden der Direkten Aktion an.

Im Jahre 1924 äußerte das Sonderkomittee für Gewerkschaftsfragen der SAF, dass sie die weiter Ausbreitung syndikalistischer Methoden als „tadelnswert“ und „schädlich für die sozialdemokratische Gewerkschaftsbewegung“ betrachten und die SAF erklärte, dass sie jeden weiteren Bezug auf syndikalistische Betriebsaktionen als eine betriebliche Kriegserklärung betrachten würden.

Die SAC-Methoden der Direkten Aktion hingen in einem großen Maße von der Existenz einer moralischen Ökonomie der ArbeiterInnenklasse als Ganzes ab. Erst in dem Augenblick als es den Zentralorganen der sozialdemokratischen Gewerkschaften in einem langen Kampf mit ihren eigenen Mitgliedern gelungen war, diese dahingehend zu disziplinieren, dass sie das Konzept der Arbeitersolidarität durch das neue der Loyalität gegenüber einer Organisation ersetzten, oder in anderen Worten den gewerkschaftlichen Streikbruch akzeptierten, wurde die revolutionäre Kraft der SAC schwerwiegend unterminiert. Das war viel wichtiger als die systematischen Schwarzen Listen, die es schon lange gegen Syndikalisten gab oder all die neuen Gesetze, die zum erklärten Zweck der Marginalisierung der SAC erlassen worden waren. Die SAF verstand perfekt, dass die Stärke der SAC exakt darin zu messen war, inwieweit es der syndikalistischen Mentalität gelang die Denkweise der ArbeiterInnen an der Basis der sozialdemokratischen Gewerkschaften zu kontaminieren. Um die SAC als potentiell revolutionäre Kraft auszuschalten, mußten sie zunächst die moralische Ökonomie innerhalb derjenigen ArbeiterInnen zerstören, die in den sozialdemokratischen Gewerkschaften organisiert waren.

Daraus können wir den Schluß ziehen, dass unsere Bemühungen heute sich weitgehend daran messen lassen müssen, inwieweit es uns gelingt, die Haltung der anderen gewerkschaftlich organisierten oder nicht organisierten ArbeiterInnen mit dem alten Wobbly-Geist der rebellischen Kreativität zu infizieren. Der Weg dahin führt über die Wiederbelebung der moralischen Ökonomie der ArbeiterInnenklasse und die Autonomie in den Kämpfen und nicht alleine über die Mitgliederzahl. Eine demokratischere Struktur, eine nette schwarzrote Farben, einige wunderbare Ziele und Prinzipien auf Papier und mehr oder weniger erfolgreiche Lohnstreiks, begründen nicht in sich selbst den Anarcho-Syndikalismus. Sie müssen mit einer Praxis verknüpft sind, die fortwährend danach strebt, den Einfluß der Direkten Aktion in den Kämpfen von ArbeiterInnen auszudehnen und welche die Flammen der Unzufriedenheit anfacht, indem sie eine Brücke schlägt über die Kluft zwischen den Zielen und den Mitteln, die uns Arbeitsgesetze und korporativistische Gewerkschafterei aufzwängen und so die Kämpfe in eine kreative Praxis verwandeln. Es gibt keine Abkürzungen. Bei jedem Gebäude benötigt das Fundament seine Zeit. Alles andere aber wird von ihm abhängen.

Quelle: http://http://www.fondation-besnard.org/

15 01 2008
Syndikalist FAU-Bremen

Erfolgreiche Kämpfe auch kleiner Gewerkschaften/Was können wir als kleine Gewerkschaften tun?
Damit befasst sich folgende Broschüre, die ich besonders hier kurz anpreisen möchte:

A.G Amsterdam/FAU Bremen (Hg.): Notes From The Class Struggle. Small group workplace organising in present-day Germany and the Netherlands, Amsterdam/Bremen 2007, 36 S., ca. 1 Euro

Groundless firings, withheld wages, bad working conditions—these and other abuses are certainly nothing new. The large mainstream unions are often unwilling to fight and are losing members and influence as a result. For those employed in precarious positions, whether as immigrant or flexibilized labor, the state often offers little or no protection.
How can we defend ourselves against the power of the bosses?
This pamphlet aims to show what small groups and unions can achieve in workplace disputes. These examples and analyses of successful small-scale actions should prove instructive to workers in a variety of fields from a variety of backgrounds, whether they are in the transport or manufacturing sector, students or illegal immigrants, or are employed in another branch of industry. The articles collected here show that through creativity, organization and fighting spirit small groups of workers and activists are more than able to hold their own against the bosses. With exampels from Amsterdam, Berlin, Bremen, Hannover u.a.

Ihr bekommt sie über:

FAU-MAT / A-Soriment
c/o Café Libertad
Stresemannstr. 268
22769 Hamburg
Tel: 040/20 90 68 96
Fax: 040/20 90 68 93
E-mail: fau-mat@gmx.de
http://www.cafe-libertad.de/mat2/assets/s2dmain.html?http://www.cafe-libertad.de/mat2

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