Klassenkampf?

Die meisten Menschen, die diesen Planeten bewohnen haben nichts anderes zu verkaufen um davon zu leben als ihre Arbeitskraft. Wir nennen diese Menschen, zu denen wir selbst zählen, ArbeiterInnen. Unabhängig davon in welcher Form sie ihre Arbeitskraft verkaufen bzw. diese zum Verkauf anbieten müssen (Arbeitslosigkeit) oder ob sich diese in Vorbereitung auf die Lohnarbeit befinden (Ausbildung, Weiterbildung). Unabhängig davon zu welchem Preis sie das tun müssen (z.B. „Schlüsselarbeitskraft“ oder unbezahlte HausarbeiterIn).1 Wir nennen sie – uns – so, weil es kein besseres Wort gibt, dass zutreffender wäre. Daran hat sich in den letzten 150 Jahren nichts geändert. Die Gesamtheit der ArbeiterInnen bildet die ArbeiterInnenklasse, welche gemeinsame Interessen hat, auch wenn das heute viele nicht sehen wollen.

Die Menschen werden durch unzählige Hierarchien und Herrschaftsformen voneinander getrennt, gegeneinander aufgehetzt, dazu gebracht sich zu unterwerfen, und wo möglich andere zu unterwerfen: durch das Patriarchat (Männerherrschaft), durch Rassismus und Nationalismus („Ausländerfeindlichkeit“)… Was letztlich auch dazu führt, ein System hinzunehmen, dass uns allen nicht dient, sondern dem wir dienen müssen!

Für uns als ArbeiterInnen, seien wir prekarisiert2, arbeitslos, „normal“ beschäftigt, produktiv oder reproduktiv3 tätig, direkt oder indirekt lohnabhängig, gibt es am kapitalistischen System nichts erhaltenswertes.

Das kapitalistische System ist ein gesellschaftliches Verhältnis das sich auf Herrschaft und Ausbeutung begründet. Der Kapitalismus ist eine Klassengesellschaft.

Der Klasse der ArbeiterInnen steht die zahlenmäßig weit aus kleinere aber dennoch herrschende Klasse der KapitalistInnen gegenüber. Also jene, die von der Ausbeutung der Arbeitskraft anderer leben. Es macht für uns dabei keinen Unterschied, ob die KapitalistInnen als Privateigentümer, als Eigentümervertreter/Manager oder staatlich eingesetzte Verwalter tätig sind (Verstaatlichung „Realsozialismus“): Trotz aller Konkurrenz zwischen Kapitalfraktionen und Machtcliquen: Sie eint das gemeinsame Interesse mit allen Mitteln zu verhindern, dass sich die ArbeiterInnenklasse als solche selbst aufhebt. Sprich: Sich ihrer Lage bewusst wird um diese grundlegend zu ändern. Zur Durchsetzung der Interessen der herrschenden Klasse stehen unterschiedlichste Herrschaftsinstrumente wie Medien, Erziehungsanstalten, scheindemokratische Einrichtungen, Elendsverwaltungbehörden bis hin zu Repressionsapparaten wie Militär, Polizei, Gerichten und Gefängnissen zur Verfügung.

Diese beiden Klassen haben entgegengesetzte Interessen, sie befinden sich in einem steten Kampf. Diese Auseinandersetzung ist der wesentlichste Motor der Menschheitsgeschichte. Sie tritt heute wieder offener zu Tage, der Kapitalismus zeigt sich wieder unmaskiert – nun geht es darum, dass dem Klassenkampf von oben genau so offen der Klassenkampf von unten entgegengesetzt wird..

Unser Kampf findet täglich und weltweit statt. Auch ohne große Erklärungen und Parolen.
Uns geht es darum, dass dieser Kampf wieder eine Perspektive bekommt: Die Perspektive einer umfassenden sozialen Selbstverwaltung, einer klassenlosen und herrschaftsfreien Gesellschaft – was nur in einer Gesellschaft ohne Lohnsystem und Staat verwirklichbar ist.

 

Fußnoten:

1 Ebenso zählen wir jene Menschen zur ArbeiterInnenklasse, die vom Erwerbsleben auf Grund ihres geistigen oder körperlichen Zustandes, ihrer Herkunft oder ihres Wohnortes ausgeschlossen sind oder nicht (mehr) zur Lohnarbeit fähig sind und daher auf Unterstützung von anderen, staatliche Beihilfen oder auf eine Form der „Schattenökonomie“ angewiesen sind.

2 prekarisiert: sind u.a. jene Lohnabhängigen, die in Arbeitsverhältnissen arbeiten müssen, die schwer, immer weniger oder gar nicht die Bestreitung der monatlichen Lebenshaltungskosten ermöglichen. Zudem keine oder schlechte Versicherungsleisten bekommen (Arbeitslosigkeit, Krankheit, Pension…) „Prekär“: gefährlich, gefährdend.

3 Reproduktion: Alle Arbeiten, die dazu dienen, die verbrauchte Arbeitskraft wiederherzustellen, sei es durch Hausarbeit, Freizeit, Familienleben, Kindeserziehung…

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Klassenkampf? Ich glaub ich steh im Wald…

(Aus: wobblies.de)

Was Seid ihr? Hoffnungslos romantisch oder komplett altmodisch? Eine Antwort auf eine – zu Recht – häufig gestellte Frage an die Wobblies. Zugegeben: Wer heutzutage wieder von Klassenkampf redet macht sich verdächtig. Der Begriff ist in Verruf geraten durch die K-Gruppen und ML-Parteien der 70er Jahre, die ihn ausgelutscht haben wie ein altes Hustenbonbon. Klassenkampf, das war für diese Strategen meist die Umsetzung der eigenen Parteilinie durch die aufgeklärten „Massen“, die eines Tages natürlich unweigerlich zur Revolution führen müsste. Dieses mechanische und die ArbeiterInnen entmündigende Verständnis ist übrigens keine alleinige Verirrung der 68er, sondern bereits seit den 1920er Jahren in den Kommunistischen Parteien zu beobachten, die sich an den Lehren Lenins, Trotzkis und Stalins orientierten. Es durchzog auch den DDR-Sozialismus und andere Staaten, wo der Klassenkampf per Definition abgeschafft wurde. Was natürlich Blödsinn war.

Der Begriff des Klassenkampfes ist beinahe so alt wie das Modell der industriellen Produktion selbst, das sich seit der Einführung der Dampfmaschine in Kombination mit mechanisierten, arbeitsteiligen Manufakturen ab 1830 in verschiedenen Etappen auf der Welt durchsetzte. Der Klassenkampf existiert, weil das Verhältnis von Kapital und Arbeit kein stabiles, fest gefügtes ist. Klassenkampf existiert nicht, weil die Arbeiter so unheimlich revolutionär wären und beseelt vom Fortschreiten des Sozialismus. Dem Klassenkampf sind die ArbeiterInnen unweigerlich ausgesetzt, ob sie wollen oder nicht. Wenn sie ihn nicht annehmen, sich ihm nicht (in welcher Form auch immer) stellen, verschlechtern sich ihre Lebensbedingungen.

Seit den 1980er Jahren wird der Klassenkampf von oben massiv verstärkt. Der schärfste Angriff in den vergangenen 30 Jahren erfolgte in Deutschland unter der Regierung Schröder/Clement/Müntefering (SPD). Stichworte: Hartz IV, Rentenreform, Gesundheitsreform. Im Kern geht es der herrschenden Klasse dabei stets um folgendes Ziel: die Rendite für das eingesetzte Kapital zu steigern. Am Arbeitsplatz heißt das: Steigerung der Produktivität. Das kann geschehen durch Senkung der Löhne. Durch Verlängerung der Arbeitszeiten. Durch Intensivierung der Arbeit (mehr Stress, mehr Aufgaben zu erledigen, mehr Output), durch Einführung neuer Maschinen, Methoden und Verfahren. Außerhalb der Arbeitswelt ist die herrschende Klasse stets bemüht, uns das verdiente Geld, wieder vollständig aus der Tasche zu ziehen. Bestes Beispiel: die ständig steigenden Mieten. Oder auch Senkung der Sozialleistungen, Einführung der privaten Rentenversicherung, Erhöhung der Mehrwertsteuer….

Es muss nicht immer gleich ein Streik sein

Die bekannteste und deutlichste Stufe des Klassenkampfes auf Seiten der ArbeiterInnen ist der Streik. Der Streik erlebt im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahren eine leichte Renaissance. Zu nennen wären hier die z.T. recht spektakkulären Streiks bei Opel 2004, bei GateGourmet in Düsseldorf 2005/2006 oder auch bei AEG 2006. Die Steigerung des Streiks wäre der Generalstreik. [Und über die Eskalationsstufe über dem Generalstreik schreiben wir hier lieber nichts, sonst wird diese Website noch abgeschaltet.] Aber auch unterhalb des Streiks gibt es viele Kampfformen und Verhaltensweisen. die sich als Ausprägungen des Klassenkampfs bezeichnen lassen. Auch „Dienst nach Vorschrift“, Krankfeiern, Sabotage gehören dazu. Neulich war ein Kontrolletti der Gebühren Einzugszentrale (GEZ) bei uns im Haus und klingelte an meiner Tür, um Rundfunkgebühren einzutreiben. Ich wimmelte ihn nach einem längeren Wortgefecht ab. Mein Nachbar machte das cooler, öffnete kurz die Tür, sah ihn da stehen mit seinem Klemmbrett, knallte die Tür wieder zu und brüllte von drinnen: „Verpiss Dich!“. Es wäre sicherlich übertrieben, das schon als Klassenkampf zu bezeichnen, aber es war immerhin ein Schritt in die richtige Richtung.

Zeitungsaufruf Seattle Generalstreik 1919

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